Paul und ich wären fast im Lift gestorben

Paul und ich stehen im Lift. Da Paul die Tür blockiert, um auf seine neue Freundin zu warten, wird sich die Weiterfahrt  verzögern. Drei bis vier Minuten schätze ich, da sie eine vollgestopfte IKEA Tüte hinter sich hergezogen hat und ich vermute, dass es etwas Zeit in Anspruch nehmen wird, bis sie die Flaschen, das Plastik, den Papier-, den Bio- und den Restmüll aussortiert und in die entsprechenden Tonnen geworfen hat. „Du merkst selbst wie unangebracht das ist, oder?“ frage ich Paul und lehne mich an die Wand des Aufzugs. Als das Licht im Treppenhaus ausgeht und zugleich weiter oben jemand zu schimpfen beginnt, tritt Paul aus der Tür und wir fahren eineinhalb Stockwerke nach oben. Dann bleibt der Lift stecken und ich beginne komische Geräusche zu machen, weil ich immer, wenn ein Aufzug stecken bleibt, für einen kurzen Moment davon überzeugt bin, in diesem kleinen Raum zu sterben. Ersticken, verhungern oder abstürzen. Ich quietsche und Paul lehnt sich an die Wand mir gegen über. „So schlimm?“, fragt er und ich nicke. Beides. Paul vorhin und der Lift der sich jetzt nicht mehr bewegt. Weiterlesen

Blöde Kuh, denkt Paul

Er geht nicht, sagt Paul und deutet mit einer Kopfbewegung in Richtung des Lifts. Er ging gestern schon nicht, informiere ich ihn und sortiere die Werbung aus meinem Briefkasten. Das Sortieren dauert ein wenig, da mir immer besonders viel Werbung geliefert wird, seit ich einen Aufkleber angebracht habe, der darum bittet auf den Einwurf dieses Blödsinns zu verzichten. Ich klappe jedes einzelne Faltblatt auf. Es könnte ja sein, dass sich eine Karte oder ein Brief dazwischen geschmuggelt hat. Als ich fertig bin, steht Paul noch immer vor dem Lift und starrt auf die geschlossene Tür. Ich kann nur vermute, dass es sich bei diesem sturen Stehenbleiben um eine Art Armmuskel Training handelt, da er vor seinem nicht vorhandenen Bauch einen Kasten verschiedener Säfte festhält. KirschMango ist mir zu süß, informiere ich ihn und bleibe aus Solidarität ein wenig neben ihm stehen. Die Flasche sei ja auch nicht für mich, lässt er mich wissen und wir starren wie zwei Großstadtkälber auf die  Türen unseres Aufzugs. Weiterlesen

Achtung, heulende Frau

Es ist ganz still um mich herum. An die Alltagsgeräusche, die aus den anderen Wohnungen und von der Straße bis zu mir klingen, habe ich mich längst so gewöhnt, dass ich sie kaum noch als Geräusche wahrnehme. Es still, aber viel zu laut. Noch in Mantel und Stiefel laufe ich ins Wohnzimmer, knipse im vorbei gehen das Licht an und lasse mich mit Schal und Mütze auf das Sofa fallen. Meine Finger sind noch viel zu kalt um den Stift anständig zu führen und doch schreibe ich sofort los. Es ist still hier auf meinem Sofa und um mich herum. In meinem Kopf ist es nicht still. Er explodiert und etwas brüllt mich an. Etwas, dass ich eben aus dem Lift mit hier rein geschleppt habe und das nicht hier sein sollte. Weiterlesen