Randnotiz

Besser, frage ich meine Freundin und brauche keine Antwort, weil ich ihr zufriedenes Lächeln sehe. Nach drei Stunden bei mir im Laubengang zum Hinterhof unter dem Sonnenschirm scheint es ihr besser zu gehen.

Der Hinterhof meines Hauses mit seinen vielen Balkonen und Terrassen ist ein Abbild der gesamten Stadt. Hier gibt es sie alle. Die Alten, die Jungen, die Paare, die Einsamen und die Familien. Bei dem schönen Wetter, bei dem alle Fenster geöffnet sind, trägt jeder Bewohner sein Leben nach draußen.

In den letzten 3 Stunden hörten wir ein Paar über die korrekte Handhabung eines Eier-Schneiders streiten. Lauschten den Vorschlägen, wie man das herrliche Wetter, dieses Pfingstmontag am besten nutzen könne, und waren erstaunt, wie schnell ein harmloses Gespräch in eine Grundsatzdiskussion ausarten kann. Wir bekamen mit, wer den Tag vor dem Fernseher verbrachte und wer seinen Partner zu einem Ausflug zu überreden versuchte. Wir freuten uns über die angenehmen gedämpfte Musik aus dem Erdgeschoss. Wir bewunderten jemand, der Klavierspielen konnte, und fühlten mit einer Mutter, die mit zwei Teenagern diskutierte. Wir hörten einen am Telefon flirten und drückten die Daumen. Wir schmunzelten über zwei, die schnarchten und wunderten uns als die Sonnenstrahlen milder wurden, dass der Eier-Scheider noch immer ein Thema war.

Dazwischen wir. Zwei von vielen anderen Leben. Eine von uns beiden war am Vormittag grundlos unzufrieden und latent genervt. Jetzt kratzt sie den letzten Rest Eis aus dem Schälchen und lächelt mich zufrieden an. Ob ich mit einem dieser ganzen Leben um uns herum tauschen möchte, fragt sie mich. Nein, sag ich und bin sehr sehr zufrieden. Mit meinem Leben und mit dem vertrödelte Nachmittag. Und dann für einen kurzen Moment wird diese kleine Zufriedenheit, die wir gerade teilen, zu einem flüchtigen, aber tief empfundenem Glück. 

Weg mit der Authentizität, her mit den Filtern!

Wenn man in der Werbung der letzten Jahren anstelle gephotoshopter 18-jähriger Models, wieder echte Frauen sieht, dann finde ich das begrüßenswert. Theoretisch. Praktisch wird einem da häufig etwas als „echte Frau“ präsentiert, das zumindest in meinem Fall zu vielen Fragezeichen führt. Nur weil eine Frau ein paar Fältchen mehr und graue Haare hat, steht sie noch längst nicht für die Durchschnittsfrau. Jedenfalls dann nicht, wenn sie noch immer besser aussieht als neuen von zehn Leserinnen. Bodypositivity ist gut, aber dann nehmt ein Model, dessen Körper wirklich echt ist. Echte Zellulitis und ein richtiges Doppelkinn. Das was in dem Zeitungen als Plus size gezeigt wird, sind Frauen mit Kleidergröße 44, die aber auf wundersame Weise das Glück haben, nur leichte Dellen an den Beinen und eine fantastische Jawline zu haben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der kleine positive Effekt von reichlich Frust aufgewogen wird. Mittlerweile ist mir die meiste Werbung aber relativ egal. Wenn ich echte Menschen sehen möchte dann lege ich das Handy zur Seite und schaue mich in meinem Umfeld um. Und da, in der Realität, da erfühlt sich der Wunsch nach Echtheit. Allerdings würde ich mir wünschen, dass die echten Menschen sich schnellstmöglich wieder einen Filter einbauen und ihre Authentizität ganz schnell wieder zurückfahren.

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Postkartenersatz

Ich wollte Ihnen die Karte ja schon ganz am Anfang meines unverschämt langen Aufenthalts im Süden schicken. Aber die gibt es ja kaum noch zu kaufen. Außerdem hatte ich Ihre Adressen nicht. Und noch mehr außerdem, habe ich schon immer vergessen, Postkarten rechtzeitig zu verschicken. Deshalb bekommen Sie diese auch erst jetzt – zurück in München. Herzliche Grüße aus Arenzano, Cogoleto, Genua, Camogli, vom Boot und Monaco (hier bin ich eher unabsichtlich gelandet).

Nach fast vier Wochen mit einer Bildschirmzeit von max. 30 Minuten (ausschließlich um über den Ort des Aperitivs oder des Abendessens zu diskutieren) ist es schön wieder daheim zu sein. Zu meinem großen Glück hat sich hier auch etwas getan. Neue Nachbarn sind eingezogen. Im Hinterhaus ganz unten. Und ganz besonders wunderbar, die eine von beiden sitzt den ganzen Tag draußen und redet. Wahrscheinlich mit ihrem Partner, aber den hört man nicht. Vielleicht auch mit sich selbst. In jedem Fall unglaublich viel. Besondere freude macht es mir, dass sie über alle Nachbarn redet. Da eröffnen sich ganz neue Blicke. Ich bin übrigens die, zu deren Wohnung ungewöhnlich viele Menschen einen Schlüssel besitzen. Das macht misstrauisch, sagt die neue Nachbarin. Sie ist etwas zu weit unten im Haus, um zu erkennen, dass die verschiedenen Hausbewohner alle eine Gießkanne in der Hand hatten, wenn sie meine Wohnung in den letzten Wochen betraten. Der Schlüssel wurde von einem zum anderen weitergereicht, damit meine Blumen nicht verdursten. Frau Nachbarin heißt Margot. Und sieht wie eine Margot aus. Können Sie sich darunter etwas vorstellen? Bestimmt.

Randnotiz

Vor kurzem schrieb ich hier traurig über das Hinterhaus, in dem schon viele meiner Nachbarn gestorben sind. Ich mag keine Veränderungen und vermisse sie. Es bleibt so schrecklich wenig, wenn ein alter Mensch aus einem Mietshaus auszieht. Manchmal aber merkt man erst viel später, dass etwas wunderschönes dann doch bleibt. In meinem Fall etwas, von dem ich nicht mal wusste, dass es existiert.

Vor etwa drei Monaten hatte es mir den Putzlumpen, den ich für vier bis fünf Tage zum Trocknen vor das Küchenfenster gelegt hatte, in den Innenhof geweht. Vermutlich hätte es ihn nicht verweht, wenn ich ihn trocken wieder reingeholt hätte, aber dreckige Putzlumpen haben bei mir ehrlich gesagt, keine hohe Priorität. Das Problem des Reinholens hatte sich eh von selbst erledigt – dank des Windes. Lumpen die man nicht mehr sieht bzw. nicht mehr besitzt, müssen nicht gewaschen werden, da man die Verantwortung für sie sozusagen abgegeben hat. Meine Nachbarin Frau Obst sah das anders. Ich weiß nicht, warum und wann sie sich über das Geländer vor meinem Küchenfenster beugte, aber sie entdeckte meinen Putzlumpen, in den Büschen darunter und informierte mich, dass die Verantwortung der Entsorgung oder Heimholung durchaus noch bei mir läge. Da man einer Frau wie Frau Obst nicht widerspricht, eine Frau wie ich aber auch nicht springt, wenn man es mir befielt, machte ich mich erst vor eigen Tagen auf, um meinen Lumpen zu retten. Oder, was eher der Wahrheit entspricht, um mir das Genörgel von Frau Obst nicht mehr anzuhören, fischte ich das dreckige Ding aus den Büschen.

Dabei entdeckte ich das:

Ich wusste gar nicht, dass wir im Hinterhaushof an dieser Stelle, an die man nur kommt, wenn man was aus den Büschen pflücken möchte, was einem runtergefallen ist, so schöne Blumen haben. Um sie zu sehen, müsste ich mich über das Geländer beugen. So was mache ich nicht. Ich blicke eher in die Ferne. In der Ferne (naja…Hinterhofferne, also nur 20 Meter weiter) ist Rasen. Nur Rasen und außer ein paar Gänseblümchen kaum etwas interessantes. Aber direkt unter den Laubengängen, da blüht es ganz wunderbar. Schön, für die Menschen, die im Erdgeschoss leben. Und schön für mich.

Frau Obst, der ich stolz meinen geretteten Lumpen präsentierte, klärte mich auf. Über viele Jahre hinweg bepflanzten meine mittlerweile verstorbenen Nachbarinnen zum leidwesen des Hausmeisters (und Frau Obst) eigenwillig den Rasen des Hinterhauses. Ganze Beete verwerte man ihnen, aber ganz am Rand lies man sie gewähren. Vieles ist mit den Jahren verschwunden. Tulpen, Narzissen und Korkusse kommen aber jedes Jahr wieder. Und am schönsten und ausdauernsten die Vergiss-mein-nicht. Gemäht werden die kleinen Rasenstücke erst, wenn sie verblüht sind.

Etwas bleibt also doch von Franziska und den anderen. Ich sag ja, die Frauen aus dem Hinterhaus waren und sind toll. Von mir fände man allenfalls einen runtergewehten Putzlumpen.

Basta!

Das Hinterhaus ändert sich. Es wird lauter und gleichzeitig wird es anonymer. Eine Kombination, an die ich mich erst gewöhnen muss. Dass es lauter wird, stört mich nicht. Im Vorderhaus wohne ich über der Kneipe und bin an Krach gewöhnt. Ungewohnt ist, dass ich die Geräusche im Hinterhaus seit einiger Zeit keinem einzelnen Bewohner mehr zuordnen kann. Vor ein paar Jahren, wusste ich bei Torjubel genau, dass Herr Bender sein kleines Radio mit auf den Balkon genommen hat, um Bundesligaspiele bei Dosenbier und Zigarillos zu genießen. Der scheppernde Radio (der Radio….wir befinden uns in Bayern) klang nicht besonders schön. Schön war es aber zu wissen, dass Herr Bender auf dem Balkon und nicht im Krankenhaus war, wo er in seinen letzten Jahren viel zu oft lag. Ähnlich ging es mir mit den sanften Klassiktönen, die aus Frau Wolfs Wohnung erklangen. Für meinen Geschmack hätte sie ihre Platten ruhig bei offenem Fenster hören können – Bach und Beethoven vertragen sich wunderbar mit Frühlingsabenden. Außerdem schienen sie Franziska M. zu beruhigen, die in ihren letzten Jahren Demenzkrank häuftig polternd und schimpfend auf dem Balkon stand und über neuzig Jährig mit ihrer längst verschiedenen Mutter stritt. Alle drei sind mittlerweile gestorben. Mit ihnen ist die für sie typische Geräuschkulisse verschwunden. Es sind nicht nur die Alten, die aus dem Hinterhaus verschwinden, sondern auch die Jungen. Mein Nachbar Paul aus dem Hinterhaus meint, das sei völlig normal.

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Schmuddelig U-Bahn Gedanken

Jeden Morgen an der Bushaltestelle warten mit mir gemeinsam, zwei etwa achtjährige Kinder auf den Bus. Das Mädchen ist schmuddelig, der Junge ist es nicht. Sie warten gemeinsam mit jeweils einem Elternteil, von dem mir der eine sympathisch, die andere reichlich unsympathisch ist. Da ich keine Menschenkenntnis besitze, solange ich Menschen nicht wirklich kenne, könnte es gut sein, dass sich meine Sympathie nach eine kurzen Gespräch schon ins Gegenteil umkehrt. Weil ich mit den beiden Wartenden aber keinen Grund für ein Gespräch habe, kann ich die Mama des schmuddeligen Mädchens nicht leiden. So etwas sollte ich nicht sagen, da ich sie ja nicht kenne und vielleicht mögen würde, wenn ich sie kennen würde. Aber ich sage es ja nicht, sondern schreibe es. Schreiben ist wie denken – frei und ehrlich. Und denkend – sein Sie ehrlich – sind uns manche Menschen einfach unsympathisch. Die Schmuddelmama zum Beispiel.

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Minimal stur – im Schlafzimmer

Mein Freund Alex hält den Titel dieses Textes für Clickbait. Das ist Blödsinn. Sie und ich wissen, dass es bei mir keine Schlafzimmer Geschichten zu holen gibt. Allenfalls über Dinge in meinem Schlafzimmer und die Erzählungen darüber sind alle jugenfrei. Und langweilig wie mein Freund Alex vermutet und es schon bereut, mich zur Minimalistin erziehen zu wollen. Wobei er hier in diesem Raum die besten Chancen hätte. Was mein Schlafzimmer angeht, bin ich nämlich tatsächlich minimalistisch. Oder fast es gibt nämlich auch hier etwas, das ich nicht nutze, aber ganz unbedingt brauche. Also ich, ich brauche es und wusste das schon seit Jahren.

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Minimal stur – im Flur

Einer meiner liebsten Freunde, ist einer meiner anstrengensten Freunde. Eine Aussage, die auf einige meiner Freunde zutrifft und durchaus positiv zu sehen ist. Einer zum Beispiel lebt seit Jahren in Italien. Will ich ihn sehen, dann muss ich 750 Kilometer überbrücken. Das ist schön, aber anstrengend. Ein anderer bringt mir jedes Mal, wenn wir uns sehen, etwas mit, das sofort meine Begeisterung weckt. Aktuell liegt auf meinem Schreibtisch ein Zauberwürfel und ich habe den Ehrgeiz dieses Ding zu lösen. Zwei Ebenen klappten mittlerweile gut – bei der dritten kämpfe ich noch, aber es macht großen Spaß. Das ist schön, aber…genau…auch anstrengend. Und der, den ich im ersten Satz meinte, stellt immer wieder Behauptungen auf, die ich widerlege. Widerlegen muss, um ihm zu beweisen, dass sie nicht richtig sind. Man könnte meinen, dass so etwas nicht schön, sondern nur anstrengend ist. Mein Freund behauptet zum Glück aber Dinge, bei denen ich mir meist nicht sicher bin ob er nun recht hat oder nicht und mich mit Elan und Kopf über auf seine These stürze. Aktuell behauptet er, dass niemand so viele Lieblingsdinge wie ich besitzen kann und ich mich mit der Aussage „Lieblingsding“ vor dem Ausmisten drücke, während er mir sehr den von ihm entdeckten Minimalismus ans Herz legen würde. Der nämlich, der Minimalismus, sorgt für einen klaren und flexiblen Verstand. Würde mir gut tun, der klare Geist, sagt er und steckt im Café in dem wir sitzen, eine Handvoll Zuckerbeutelchen ein. Eine Zuckerdose hat er in seiner Küche nämlich nicht mehr, seit er sich dort von überflüssigem getrennt hat. Gedanklich schon seine Behauptung, meine Wohnung würde klare Gedanken verhindern, überprüfend, bin ich mir schon jetzt sicher, dass ich meine Zuckerdose behalten werde – wenn einem das Entsorgen zum Klauen verleitet, dann ist es Quatsch.

Ich werde Sie mitnehmen – durch den Rundgang meiner Wohnung. Dabei kann ich Ihnen etwas über meine Lieblingsdinge erzählen. Das wollte ich schon lange einmal machen und da ich jetzt vielleicht zur Minimalistin werde – man kann ja nie wissen, ob ein Freund nicht vielleicht recht hat – ist das die letzte Gelegenheit. Wir fangen in meinen drei Fluren an. Und nein…ich wohne nicht in einem Schloss, sondern nur in einer abenteuerlich geschnittenen Zwei-Zimmer-Wohnung.

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Hauptsache gelb

Ich hatte gerade erst in Italien zu arbeiten begonnen, als man mir zu meinen morgendlichen Kaffee am Bahnhof ein Brioche umsonst dazu gab. Als ich fragt warum, lächelte man mich an und sagte, weil ich ein hübsches blondes Mädchen sei. Im Büro stand auf meinem Schreibtisch ein Wasserglas mit einem Mimosenzweig. Der sei für mich, weil ich es schön sei, dass ich jetzt hier arbeitete und mein Lachen so fröhlich klingt. Vom immer zu spät kommenden Kollegen erhielt ich eine gelbe Tulpe mit einem Grinsen. Er sagte, sie sei für mich, weil mit meinen mangelnden Italienischkenntnissen das Chaos, das man eigentlich Italienern zuschrieb, in Form einer Deutschen, eingezogen sei. Ich bekam auch am Mittagstisch im Einkaufszentrum ein gelbes Blümchen. Am Abend nahmen mich die Kolleginnen mit in ein Restaurant. Kaum ein Mann war an den Tischen zu finden, aber reichlich Frauen und alle hatten Blumen vor sich stehen. Hinterfragt hat diesen Tag außer mir, wohl keine. Später sagte mir eine Freundin, dass sie meine Fragen dumm fand. Freu dich doch einfach, meinte sie und hatte recht.

Die Italiener, die ich kenne, stürzen sich gerne mit Leidenschaft in die Dinge und zelebrieren das, was ihnen wichtig ist mit Hingabe. Am 8. März ist es egal ob man ein altes Weib hinter dem Gemüsestand oder ein junges Ding an der Supermarktkasse ist. Man braucht nicht wie am Valentinstag einen Mann um diesen Tag zu feiern, es reicht eine Frau zu sein. Man wird gefeiert und noch viel schöner, man feiert sich selbst. Nicht weil man sich für etwas besonders hält, sondern einfach freudig und herzlich. Ursprünglich entstammt er den für ihre Rechte kämpfenden Frauen. Auch nach dem Frauenwahlrecht, war es ihnen bis in die 70er Jahre in manchen, ländlichen Teilen Italiens fast unmöglich ohne männliche Begleitung in Lokale zu gehen. Der 8. März war die Ausnahme und Frauen feierten schon damals an diesem Tag und hauten ordentlich auf den Putz. Ein Recht, dass sich Frauen heute an jedem Tag heraus nehmen sollen und dürfen. Es ist ein Kampf der sicher noch nicht vorbei ist und doch ist an diesem Tag nichts vom Geschlechterkampf zu spüren. Gleicher Verdienst und Anerkennung in vielen Bereichen ist noch längst nicht an der Tagesordnung und doch haben es die italienischen Frauen geschafft, sich all das  zwar in Erinnerung zu rufen, ihren Kampf an diesem Tag aber ruhen zu lassen und sich einfach nur auf Händen tragen zu lassen.

Als ich in Italien lebte, verdiente ich auch als ich fließend italienisch sprach nur die Hälfte meiner männlichen Kollegen. Es hat mich täglich geärgert. Die Blumen und die Komplimente nahm ich trotzdem gerne. Überhaupt freue ich mich über Komplimente jeder Art. Wahrscheinlich weil ich mich in Beziehungen nie beweisen musste und „schöne Augen“ oder „hübsches Lächeln“ für mich nie bedeuteten, dass man den Rest der in mir steckt übersehen könnte.

Heute bin ich nicht in Italien, sondern in München und gelbe Mimosen habe ich als Foto via WhatsApp erhalten.

Die gelben Tulpen habe ich mir selbst gekauft. Mir, meiner Freundin und meiner Nachbarin. Schönen Weltfrauentag, schönen Samstag, schönen Sonnentag. Suchen Sie sich aus, was für Sie am besten passt. Wenn Sie mich fragen, dann schadet das aber auch nicht, wenn es heute nicht nur ein schöner Samstag, sondern eben doch der Weltfrauentag ist. Wir verdienen nämlich immer noch deutlich weniger als Männer. Und angesichts der Probleme mit denen Frauen in anderen Ländern konfrontiert sind, ist das (so erbärmliches ist) noch eines der kleineren Probleme.