Besser, frage ich meine Freundin und brauche keine Antwort, weil ich ihr zufriedenes Lächeln sehe. Nach drei Stunden bei mir im Laubengang zum Hinterhof unter dem Sonnenschirm scheint es ihr besser zu gehen.
Der Hinterhof meines Hauses mit seinen vielen Balkonen und Terrassen ist ein Abbild der gesamten Stadt. Hier gibt es sie alle. Die Alten, die Jungen, die Paare, die Einsamen und die Familien. Bei dem schönen Wetter, bei dem alle Fenster geöffnet sind, trägt jeder Bewohner sein Leben nach draußen.
In den letzten 3 Stunden hörten wir ein Paar über die korrekte Handhabung eines Eier-Schneiders streiten. Lauschten den Vorschlägen, wie man das herrliche Wetter, dieses Pfingstmontag am besten nutzen könne, und waren erstaunt, wie schnell ein harmloses Gespräch in eine Grundsatzdiskussion ausarten kann. Wir bekamen mit, wer den Tag vor dem Fernseher verbrachte und wer seinen Partner zu einem Ausflug zu überreden versuchte. Wir freuten uns über die angenehmen gedämpfte Musik aus dem Erdgeschoss. Wir bewunderten jemand, der Klavierspielen konnte, und fühlten mit einer Mutter, die mit zwei Teenagern diskutierte. Wir hörten einen am Telefon flirten und drückten die Daumen. Wir schmunzelten über zwei, die schnarchten und wunderten uns als die Sonnenstrahlen milder wurden, dass der Eier-Scheider noch immer ein Thema war.
Dazwischen wir. Zwei von vielen anderen Leben. Eine von uns beiden war am Vormittag grundlos unzufrieden und latent genervt. Jetzt kratzt sie den letzten Rest Eis aus dem Schälchen und lächelt mich zufrieden an. Ob ich mit einem dieser ganzen Leben um uns herum tauschen möchte, fragt sie mich. Nein, sag ich und bin sehr sehr zufrieden. Mit meinem Leben und mit dem vertrödelte Nachmittag. Und dann für einen kurzen Moment wird diese kleine Zufriedenheit, die wir gerade teilen, zu einem flüchtigen, aber tief empfundenem Glück. 




