Besser, frage ich meine Freundin und brauche keine Antwort, weil ich ihr zufriedenes Lächeln sehe. Nach drei Stunden bei mir im Laubengang zum Hinterhof unter dem Sonnenschirm scheint es ihr besser zu gehen.
Der Hinterhof meines Hauses mit seinen vielen Balkonen und Terrassen ist ein Abbild der gesamten Stadt. Hier gibt es sie alle. Die Alten, die Jungen, die Paare, die Einsamen und die Familien. Bei dem schönen Wetter, bei dem alle Fenster geöffnet sind, trägt jeder Bewohner sein Leben nach draußen.
In den letzten 3 Stunden hörten wir ein Paar über die korrekte Handhabung eines Eier-Schneiders streiten. Lauschten den Vorschlägen, wie man das herrliche Wetter, dieses Pfingstmontag am besten nutzen könne, und waren erstaunt, wie schnell ein harmloses Gespräch in eine Grundsatzdiskussion ausarten kann. Wir bekamen mit, wer den Tag vor dem Fernseher verbrachte und wer seinen Partner zu einem Ausflug zu überreden versuchte. Wir freuten uns über die angenehmen gedämpfte Musik aus dem Erdgeschoss. Wir bewunderten jemand, der Klavierspielen konnte, und fühlten mit einer Mutter, die mit zwei Teenagern diskutierte. Wir hörten einen am Telefon flirten und drückten die Daumen. Wir schmunzelten über zwei, die schnarchten und wunderten uns als die Sonnenstrahlen milder wurden, dass der Eier-Scheider noch immer ein Thema war.
Dazwischen wir. Zwei von vielen anderen Leben. Eine von uns beiden war am Vormittag grundlos unzufrieden und latent genervt. Jetzt kratzt sie den letzten Rest Eis aus dem Schälchen und lächelt mich zufrieden an. Ob ich mit einem dieser ganzen Leben um uns herum tauschen möchte, fragt sie mich. Nein, sag ich und bin sehr sehr zufrieden. Mit meinem Leben und mit dem vertrödelte Nachmittag. Und dann für einen kurzen Moment wird diese kleine Zufriedenheit, die wir gerade teilen, zu einem flüchtigen, aber tief empfundenem Glück. 

Schön, so muss man es machen, glücklich sein über Kleinigkeiten
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Und sich freuen, wenn es glückt 🙂
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Was für eine wunderbare kleine Randnotiz über vollendete Genügsamkeit und das kleine Glück im Alltäglichen. So geht Leben.
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Danke dir. Ja, solche Momente, gerade weil selten planbar, sind etwas feines.
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Klingt nach einen tollen Nachmittag. 🙂
Und im nächsten Beitrag klärst du uns bitte auf, wie man denn nun einen Eierschneider korrekt verwendet. Ich lege einfach immer das Ei rein und den Rest macht der Apparat. Hoffentlich ist dies das adäquate Vorgehen!
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Das würde ich gerne, aber wir haben leider nur Bruchstücke verstanden 🙂
Ich empfehle ein stinknormales Messer. Aber ich bin auch ein Banause.
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Es geht noch schlimmer, als mit dem Messer. Ich hau da einfach mit dem Eierlöffel drauf und dann werden die Bruchstücke runtergepfriemelt.
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Das ist nicht schlimm, sondern effizient ☺️
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Ah, ein Sachverhalt, der der Klärung bedarf! In einem Eierschneider – der wegen seiner Saitenbespannung an eine Harfe erinnert – werden nur harte Eier in Scheiben oder Stäbchen geschnitten. Das wachsweiche Frühstücksei hingegen wird auch von mir beklopft, mit dem Messer geköpft und dann ausgelöffelt. Die Miniguillotine fand ich immer etwas überflüssig. Und nachdem ich zwei Eierschneider ruiniert hatte, einen durch Pilze, den anderen durch Tomaten, werden damit auch nur noch Eier geschnitten. Siehe oben.
Offenbar kann man sich doch ganz trefflich und über einen längeren Zeitraum hinweg mit dem angezeigten Einsatz eines Eierschneiders beschäftigen…
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Großartig! So tief bin ich in diese Thematik vorher noch nie eingestiegen. Wahrscheinlich, weil ich kein solches Gerät besitze. Hätte ich eines, wäre ich vielleicht auch pingeliger, wenn es einer falsch benutzt. Sollten meine Nachbarn noch mal darüber diskutieren, könnte ich mich ja einschalten. Jetzt kenne ich mich. Dank dir ein bisschen aus. ☺️
Liebe Grüße
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So bin ich halt, liebe Mitzi; stets bereit, mein umfangreiches Wissen z.B. über Eierschneidegeräte zu teilen… 😉
Und wo kein Bedarf an Aufklärung besteht, schaffe ich ihn eben.
Schönes baldiges Wochenende!
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Danke. Schön!
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Danke dir.
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Vertrödelte Stunden sind, genossen, die besten Stunden. Schon die alten Griechen wußten – sie wußten überhaupt viel -, dass das wahre und beste Leben eines der Muse gewidmete ist. Es ist nur nicht durchzuhalten.
Eierschneider, EIerköpfer, Eierirgendwas sind vermutlich nicht erst seit Kolumbus und seiner eiernden Entdeckungsfahrt ein unerschöpfliches Thema. Aber ein gutes Paar kann sich grundsätzlich über alles in die Wolle kriegen. Der Vorteil ist, man kennt nicht nur seine eigenen, man kennt auch die Argumente des Partners. Alles schon mal dagewesen, alles schön wie gewohnt. Klar, könnte man gerade deshalb auch lassen. Aber ein wenig Zweisamkeit ist doch eine schöne Sache!
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Streits gibt es über die ungewöhnlichsten Sachen. Wenn er halbwegs im Rahmen bleibt und die Wolken sich verziehen….sei´s drum. Ich fand vorallem das wiederkehrende Wort dieses Eierschneider sehr amüsant.
Durchhalten muss gar nicht sein und planen kann man (ich) solche Nachmittage eh nicht. Aber wenn sie sich ergeben, sind sie sehr willkommen.
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Es ist der Eierschneider des Nachittags, den manche nicht annehmen können…
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🙂
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herrlich, das sind die schönsten stunden! bei uns hört man leider nirgends in die wohnungen rein und vermutlich würde ich beim großteil in meiner umgebung auch nicht viel verstehen. aber die geräusche aus den offenen fenstern ist so eine kindheitsgroßelternerinnerung für mich ❤
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Beim einen oder anderen verstehe ich auch nichts. Da muss dann der Tonfall und die Stimmlage aushelfen, was aber nicht das gleiche ist.
Mich erinnern diese offenen Fenster auch an meine Kindheit. Da glaub ich, hörte man noch viel mehr. Oder die Leute saßen mehr draußen.
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ich glaub, die leute waren mehr daheim bei offenen fenstern…
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