II Banales

Welchen Akzent haben Ukrainerinnen, wenn sie italienisch sprechen? Keine Ahnung. Vielleicht ähnelt er dem meinen. Der müsste Deutsch sein, der Akzent, weil ich italienisch aber von einer Horde süditalienischer LKW-Fahrer, norditalienischen Gemüsehändlern und der italienischen Version von Big Brother gelernt habe, kann er auch ganz anders klingen. Italienische Mann, den ich auf dem Weg zum einkaufen treffe, hält mich jedenfalls für eine Ukrainerin. Heute. Auch im Juni hab ich ihn getroffen und auch da hat er mich gefragt, ob ich aus der Ukraine komme Und im Mai auch schon. Vielleicht ist es eine Art, ein Gespräch zu beginnen. Das schließt sich der Frage immer an. Und auch das Gespräch ist immer das gleiche. Irgendjemand dreht nachts ein paar Warnschilder am Lungomare um. Schilder die Fahrradfahrer darauf hinweisen, dass der Fahrradweg sich verengt, weil Steine vom Hang auf den Weg gebröckelt sind. Warum diese Steine seit Mai dort liegen, erschließt sich mir nicht. Wenn ich mir aber die endlosen Baustellen in München ins Gedächtnis rufe, dann wundert es mich auch nicht, dass so ein kleiner Erdrutsch nicht ohne lange Bauphase beseitigt werden kann.

Immerhin haben wir so ein Gesprächsthema. Der alte Herr, der mich für eine Ukrainerin hält, kann mir so erklären, dass außer ihm niemand die Schilder wieder in die richtige Richtung dreht. Ich möchte ihm nicht unrecht tun, aber ich glaube, es ist nicht auszuschließen, dass er selbst sie am Abend umdreht. Da der Fahrradweg gut einsehbar ist, ist diese Art der Beschäftigungstherapie nicht weiter schlimm.

Beim Bäcker führe ich ebenfalls die gleichen Gespräche wie im Mai, im Juni und in den vergangenen Jahren. Auch am Obststand. Und wahrscheinlich auch morgen am Markt.

Falls Sie meinen, dass das schrecklich langweilig ist… Nach 24 Stunden voll umfänglichem Nichts, ist diese Art der Gewohnheit und völliger Anspruchslosigkeit… Sie ahnen es, genau, wunderbar.

Keine Sorge, ich werde Sie nicht zwei Wochen mit Nichts und Banalität langweilen. So wie ich meinen Ort am Meer kenne, ergeben sich früher oder später ein paar Geschichten.

Die Sonne scheint übrigens wieder.

8 Gedanken zu “II Banales

  1. Ah! Es ist die Art dieses Lebewesens, sich lautstark auszutauschen. Ich war neulich schon daran erinnert, bleiben wir bei Kästner: „Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt…“ Es werden Worte, manchmal auch nur Laute, die gar keien Worte ergeben, ausgestoßen und von der Gruppe in Abwandlungen wiedergegeben.
    Nein, das ist nicht unsinnig. Man nennt das Kommunikation und es hat, wenn auch selten den Sinn, Informationen zu konkreten Sachverhalten auszutauschen, so doch, Gemeinschaft herzustellen. Wir blasen alle ins gleiche Horn (bis es zu einem Klapphornvers – der eine von hinten, der andre von vorn – reicht).
    Was diese Art von seinen Verwandten unterscheidet: Er tut bei diesem geselligen Brüllauffengesang noch so, als sei es Informationsaustausch. Das muß ein Zwang sein, der bis heute oft zu Verstimmungen und mehr führt.

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  2. Wenn es dir wider Erwarten evtl. an Geschichten fehlt, dann aber nicht an eindrucksvollen Fotos. – Also musst du dich jetzt nach den Worten von Herrn Ösi dem absoluten Nichtstun ergeben, damit aus die eine weltberühmte Philosophin wird.

    Gruß zu dir

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  3. Vielleicht will Dir der Italienische Mann auch nur ein Kompliment machen. Die Ukrainerinnen, die ich vor Jahren in Zürich als Bundesstipendiatinnen kennenlernen durfte, waren fast ausnahmslos sehr bemerkenswerten Frauen.

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    1. Vielleicht. In jedem Fall ist es ein netter Mann. Ich glaube ja, dass er einfach ein wenig plaudern will. Und heute ist es ja gar nicht mehr so einfach, grundlos mit jemanden ins Gespräch zu kommen. Mal sehen ob ich ihn nächstes Mal wieder treffe.

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