1:0 für Paul

Ich bin ein höflicher Mensch. Da können Sie wirklich jeden Fragen. Ob man meine Macken und Eigenarten charmant oder schrecklich findet, darüber kann man streiten. Über meine guten Umgangsformen aber nicht. Dachte ich, bis mir mein Nachbar Paul vorwarf, dass meine vermeintliche Höflichkeit an Dummheit nicht zu überbieten ist. Ich sehe das anders.
Was würden Sie denn denken, wenn Sie Samstagmorgen bei strahlendem Sonnenschein, zwei älter Damen vor der Haustüre antreffen, die konzentriert die Namen der Klingelschilder betrachten? Dass sie einen Raubüberfall planen? Dass sie gleich zu randalieren beginnen und das Treppenhaus zerlegen? Vermutlich nicht. Und genau deshalb habe ich die beiden Frauen auch ins Haus gelassen ohne mich nach dem Grund zu erkundigen. Wenn man halbwegs höflich ist, dann hält man anderen die Türe auf, auch wenn man sie nicht persönlich kennt. Und auch was meine angebliche Dummheit betrifft liegt Paul falsch. Nachdem die beiden reizenden Damen mich nämlich ohne Einleitung fragten ob ich glücklich bin (Antwort ja) und ob ich an Gott glaube (Antwort verweigert) war ich schlau genug mich ganz schnell aus der Affaire zu ziehen.

Weiterlesen

10.000 Dinge #4

Es heißt, der durchschnittliche Deutsche besitzt etwa 10.000 Dinge. 2014 als ich über die Studie gestolpert bin erschien mir diese Zahl unglaublich hoch. Nachdem ich im darauffolgenden Jahr feststellte, dass sich in meiner Wohnung 1.018 Bücher (Stand Oktober 2011) befanden, relativierte sich die Zahl. Und seitdem ich älter und neugieriger werde und ab und an vom Fenster aus Umzüge beobachte, halte ich die Zahl für durchaus realistisch. Jedes Jahr erhöht sich unser Besitz und wenn man nicht ab und an mit kritischem Blick vor Schränken und Kellerabteilen steht, dann wachsem einem die Dinge schnell über den Kopf. Der Zuwachs meiner Dinge über all die Jahre ist unter anderem den Ausmisten meiner Eltern geschuldet. Wenn die Platz brauchen, wird es bei mir schnell eng. Es handelt sich hierbei um eine Art Generationenvertrag. Die Verantwortung für die Dinge, die man nicht mehr will, aber unmöglich wegwerfen kann, wird dem Nachwuchs übergeben. Ich vermute, dass dies seit Generationen wunderbar funktioniert. Leider haben Generationsverträge die vertrackte Klausel, dass sie nur funktionieren, wenn eine nächste Generation vorhanden ist. Nichten und Neffen zählen hier leider nicht, da diese per Definition nur bei direkten Eltern zu Erfüllung verpflichtet werden können/wollen. (Ich habe es versucht, glauben Sie mir).

Weiterlesen