Leere Seite

Es mag sein, dass ich Regina M. Valente unrecht tue. Gut möglich, dass ich ihr Ansinnen nicht verstehe oder einfach zu doof bin, den Wert ihres Buches zu erkennen. Wobei…ganz ehrlich, 29,90 Euro ist es nicht wert. Der Preis ist happig. Auch wenn man die Druckkosten berücksichtigt, die Nutzungsrechte für die zwei Bilder vorne und hinten auf dem Cover und das Honorar für den Fotografen des Autorenbildes. 29,90 Euro sind viel. Auch wenn das Papier des Buches sich gut anfühlt und auch, wenn es sich um ein Hardcover Exemplar handelt. Es sind die knapp 30 Euro die mich jedes Mal, wenn mir das Buch in die Hand fällt, wütend machen. Wütend und zugleich auch sprachlos vor Bewunderung. So dreist muss man erst mal sein. Unter der Rubrik: Buch > Bussines & Karriere > Branchen & Berufe > Consulting  einen schlichten Block einzustellen. Nicht Blog, einen Block. Oder, aber nur wegen der Bindung, ein Notizbuch. Ein Notizbuch ist etwas feines. Ich habe duzende und nutze sie unheimlich gerne, aber Bücher sind es nicht. Keine Ratgeber. Keine Bücher die mir beruflich weiter helfen.

Zum Glück klärt Regina M. Valente im Klappentext, der als einzige Gemeinsamkeit mit einem Buch gelten mag, auf. Zwei Sätze umfasst der und teilt mit, dass es privat wie beruflich so wertvoll ist, die leere Seite in uns zu entdecken. Das gelingt, laut Frau Valente in Pausen, in welchen man den Blick auf die leere Seiten in uns selbst lenkt und sich inspirieren lässt. Was sie nicht schreibt, aber wohl meint, ist, dass man sich für 29,90 Euro ihr Buch kaufen soll und dann tatsächlich 220 leere Seiten erhält. Kein Foto, ein Klappentext der nicht mehr enthält, als ich schrieb und sonst nichts. Man bekommt ein Notizbuch auf dem hinten ein Foto von Regina M. Valente abgedruckt ist und auf der letzten Seite eine Danksagung von Frau Valente bei der sie sich bei ihrer Mutter, der Tochter, dem Lebenspartner, dem Hund und den Beduinen in den Arabischen Wüsten bedankt. Das ist nett, man sagt viel zu selten Danke, aber 29,90 Euro und eingestellt bei Amazon unter Business und Karriere und Consulting?

Ne, sorry Frau Valente, da hätten Sie mir mindestens noch was über den Hund erzählen müssen. Der heißt, so schreiben Sie in der Danksagung, Satan. Wie er zu dem Namen kam, das wäre doch schon mal eine Geschichte. Oder Ihre Begegnung mit den Beduinen, die würde mich aufrichtig interessieren, genauso wie ihre Zeit im Bush Afrikas (hier besonders auch, ob das ein Tippfehler ist und eigentlich Busch heißen muss oder falls nicht Africa. Bei 29,90 Euro und nur 73 Worten, die sich ausschließlich in der Danksagung befinden wäre das befremdlich).

Das nächste Mal fände ich es wirklich toll, wenn Sie in einem Buch – einem, das mit Worten gefüllt ist – erklären warum es einen Menschen inspiriert 220 leere Seiten anzustarren. Ohne Hilfestellung wird das der eine oder andere nicht begreifen und Sie als Autorin haben ja auch eine Verantwortung. Das betriebswirtschaftliche Wissen dagegen, das haben Sie schon.

Und ich werde das Buch jetzt in das Altpapier geben. Schade um die unbeschriebenen Seiten, aber ich rege mich seit langem darüber auf, wenn es mir in die Hände fällt.

46 Gedanken zu “Leere Seite

    1. Nein. Es ist schon nicht mehr erhältlich und ich will glauben, dass die Autorin es gut gemeint hat. Für die kleine Chance, dass dieses Buch ihr Herzensprojekt war, verkneife ich mir die Bewertung. Es hat keine und wenn ich da jetzt mit einem Stern komme….würde sich falsch anfühlen. Aber der Gedanke ist mir gekommen – mehr als einmal 😉

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    1. Geschenkt bekommen. 😉
      Aber schau mal bei Amazon. Ist zwar nicht mehr lieferbar, aber wenn. An es dort gekauft hätte, dann steht in der Beschreibung „ein Buch über die Leere“. Ziemlich irreführend.
      Aber ich ärgere mich schon gar nicht mehr. 🙂

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      1. Hat es sich etwa jemand gekauft – und dann an dich weiter verschenkt, damit er sich nicht mehr ärgern muss?
        Aber hätte es derjenige nicht gleich an A. zurückschicken können – oder ist das bei Büchern ausgeschlossen. – So viele leere Seiten kann man erst entdecken, wenn die Umhüllung (aus Plastik) weg ist.

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      2. Ich habs von meiner Großtante. Keine Ahnung was sie sich gedacht hat, ich kann sie nicht mehr fragen. Aber ich bin mir fast sicher, dass sie nur nach dem Cover ging und das Foto darauf war hübsch.

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      1. 62 Cent hätte ich wohl auch riskiert.
        Aber das ist tatsächlich mal ein Fall, wo es einen deutlichen Vorteil gebracht hätte, in der Buchhandlung einen kurzen Blick hineinwerfen zu können.
        Jetzt, nachdem Du gespoilert hat, habe ich kein Interesse mehr. *gg

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  1. Servus Mitzi!

    Du, d’Moosederin hod ma heid vom Fensta owepläad,
    dass‘ letzde Woch d’Neie Bosd kaaft hood und nix
    drinna gschdanna is. I hob ma danna dengd: „Ja Kruzefix!
    Vakaffas jezza scho laare Zeitschriftn und a jäda
    soi si de Kinegschichtn seaba ausdenga. A so a Bschieß!
    Des waar ja des Gleiche, wenn i mia an Bayernkuria
    kaffa daad und dea nimma beechschwarz sondan ganz weiss,
    oda in da Lebakaassemme koa Lebakaas drinna waar!“
    D’Moosederin hod danna as Blümokissn ausgschüddlt und
    no gmoand, dass beschdimmt da Mo vo dera Viktoria
    dahintaschdeggt, weils nix mea von da Heazalgschicht
    schreim. „Aaa sooo…“ hob i mia dacht. „Aa soo a Schmarrn“..;-)

    Guaaad…
    No a bsondare Bergmusi:
    … 🎶 https://tinyurl.com/yccb2xy5 🎶 …
    (Koa Jodlagschtanzl..;-D

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    1. Da host aba scheene Beispiele gfunden. Nimma schwarz…des basst bei einige von de Münchner Bladdeln. Und des mit de großen B I L D vorn drauf, des kanntad zweggs meina gern amoi laar bleim.
      Schee das de d`Moosederin über d´Viktoria informiert. Ned das wichtig waar, aber so griagst des a mid.
      Und i hear ma jetzt an Ambros o. Dank da schee.

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  2. Bei soviel Dreistigkeit bleibt einem die Spucke weg. Wenn es sowas wie ein Karmakonto gibt, dann hat diese Dame ihre Sollseite darart belastet, daß kriegt sie in diesem Leben nicht mehr ausgeglichen, und auch in den folgenden nicht. Das Buch sei nur eine Wiedergabe der Leere, die die „Autorin“ (soll das ein Witz sein?) empfunden habe, steht da – kein Gefühl, kein schlechtes Gewissen, nur Leere. Wenn sie als Laus wiedergeboren wird, kann sie von Glück sagen.;-)

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  3. Herrje, nach Lektüre des Klappentextes als auch der Beschreibung des „Buches“ bin ich heilfroh, dass es sich nur um leere Seiten handelt. Es ist nicht auszudenken, wie die Qualität des Geschriebenen wäre, hätte die Herausgeberin die Leere mit ihren Worten gefüllt (obschon es wirklich skandalös ist, wie heilsbringerisch hier mit der Gutgläubigkeit der Menschen umgegangen wird. Es gibt sicherlich viele unter uns, die gerne wissen wollten, wie sich spirituelle Erlebnisse in der leeren Wüste in ein vollgepacktes Leben integrieren ließen und dafür auch bereit wären einen hohen Preis zu zahlen. Die Erkenntnis kommt ja immer aus einem selbst, aber was schweife ich ab…..).

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    1. Dein Abschweifen kann ich verstehen. Genau das ist mir sich durch den Kopf geschossen. Es wäre interessant zubleiben gewesen und irgendwas in die Richtung erwartet man wohl auch.
      Naja, keine Bewertung und keine neue Auflage…es war wohl eh kein Bestseller. 😉

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  4. Ich kenne eine Frau Valente. Die ist Sängerin und heißt Caterina. Vielleicht ist es die Mutter.
    Wenn nun also die Tochter kein Talent aufweist, wäre es folgerichtig, ein leeres Buch herauszugeben, zum zumindest virtuell in die künstlerischen Fußstapfen der Mama hineinzustapfen … 😉

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