Genau studiert

Ein langes, abenteuerliches und selbstbestimmt geführtes Leben ging friedlich im Kreise ihrer Lieben zu Ende. Das klingt schön, oder? Vier Kinder und viele Enkelkinder verabschieden in dieser Traueranzeige eine 98jährige. Die vier Kinder schaffe ich nicht mehr, aber wenn die Beschreibung meines Lebens irgendwann einmal in einem solchen Satz zusammen gefasst wird, dann war es wahrscheinlich ein gutes Leben. Solche Anzeigen, schiebe ich gerne über den Tisch und lasse sie den, der mir gegenüber sitzt, lesen. Anzeigen mit einem Geburtsjahr in den 1920igern mögen wir am liebsten. Die 1930iger sind auch noch ok. Da sind die Menschen schön alt geworden. Erst die Anzeigen, die Todesfälle rund um die Mitte der 1940iger Jahre vermelden, lösen an manchen Tagen ein kleines Ziehen aus. Die Menschen darin, sind auch schon um die Achtzig, gleichzeitig haben sie aber das Alter unserer eigenen Eltern und deshab lesen wir die mit einem bestimmten, bei unseren Familien gleichen Geburtsjahr, einfach nicht und ignorieren sie. Das muss man, sonst bereitet das Lesen der Traueranzeigen keine Freude. Und das tut es auf eine seltsame Weise tatsächlich.

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Oh wie schön ist Panama. U-Bahn Gedanken

Was hat Panama auf der Titelseite der Bild zu suchen? Mein Panama! Ich bin entrüstet. Mein Panama hat nichts auf diesem elenden Schundblatt zu suchen. Unser Panama, höre ich dich flüstern. Ich nicke und rutsche tiefer in die Polster der U-Bahn Sitze. Panama und die Bild. Ein grausames Bild. Panama Papers – auf englisch wird die blöde Picture auch nicht besser. Ich mache mich breit, raube dem Bildleser Platz, indem ich meine Tasche zwischen ihn und mich wuchte. Weiterlesen

Nur ein Hefezopf – U-Bahn Gedanken

Heute steht es sich nicht gut an der U-Bahnstation. Die Schulter an Schulter wartenden Menschen wollen genauso schnell nach Hause wie ich. Es fehlt das beständige Lachen und Schreien der Schulkinder, das nervt und zugleich unbekümmert klingt. Ich will nach Hause. Möchte nichts mehr lesen, nichts mehr hören und  auch gerne etwas weniger denken. Nach Hause und wenigstens bis zu den Nachrichten nichts mehr hören. Weiterlesen