Farben – bitte sortiert

Ich liebe Farben. Jede einzelne. Und am allerliebsten sind sie mir, wenn sie einer gewissen Ordnung folgen. Nicht draußen, natürlich. Ein chaotischer Bauerngarten oder eine wilde Blumenwiese sind mir um einiges lieber als streng geordnete Beete. In der Pflanzenwelt kann und sollte ruhig der Zufall den Blick immer wieder aufs Neue überraschen. Aber in einem Kasten mit Wasserfarben zum Beispiel gefällt es mir, wenn die kleinen Tiegel von hell nach dunkel geordnet sind. Schon als Kind habe ich jeden Malkasten erst einmal umsortiert und meine ganz eigene Ordnung geschaffen. Oben die Grundfarben und in der zweiten Reihe die Komplementärfarben. So waren sie aufgebaut. Unmöglich für mich als Dreijährige. Weiß, gelb, orange, rot, rosa usw. musste die Farbfolge sein, um mich zufrieden zu stellen. Meine Mutter hätte sich sicher über diesen Ordnungssinn gefreut, denn jenseits von Farben war ich seit jeher eine großer Freundin des kreativen Chaos – oder um mit dem Worten meiner Mutter zu sprechen von einem Saustall im Kinderzimmer. Nie wäre es mir in den Sinn gekommen auch nur irgendetwas zu ordnen, es sei denn…..richtig, es handelt sich um Farben.

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Schlummernde Talente

Bei manchen Dingen weiß man erst nach Jahrzehnten, warum es einem so wichtig war es unbedingt zu können. Handgriffe, die einem so notwendig erschienen, dass man sie immer und immer wieder übte, bis sie in Fleisch und Blut übergegangen sind. Eine Begabung, die kaum einer als solche gelten lassen würde, an deren vollendeter Beherrschung man aber mit sturem und ausdauerndem Ehrgeiz arbeitet. In meinem Fall handelt es dabei um das Öffnen einer Bierflasche mit einem Feuerzeug. Ansetzen, aufhebeln, ein wohlklingender Plopp und ein fliegender Kronkorken in einer ruhigen, selbstverständlichen und fließenden Bewegung. So etwas ist einfach nur schön. Um es zu beherrschen habe ich einen ganzen Sommer lang geübt. Weder mit 15 noch heute trinke ich regelmäßig Bier. Es schmeckt mir nicht. Und wenn ich es doch einmal trinke, weil es in München Situationen gibt, in denen kein anderes Getränk angemessen erscheint, dann bekomme ich eine geöffnete Flasche oder ein Glas in die Hand gedrückt. Aber gestern Abend war eine besondere Bier Situation. Eine wie früher. Einer der Momente in dem ein Wasser fad, eine Cola langweilig und ein Glas Wein albern gewesen wäre.

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