Nix mit Italien

Geschenkte Tage, nennt meine Mutter sie. Tage, die so schön und kostbar sind, dass man sie auf keinen Fall verstreichen lassen darf. Tage, von denen man ahnt, dass es für lange Zeit die letzten ihrer Art sein werden und Tage, die durch ihre Vergänglichkeit zu einem kostbaren Schatz werden. Heute ist ein geschenkter Tag. Ein Sonntag im Oktober, der so herrlich warm ist, dass man doch noch einmal in offene Schuhe schlüpft und wohlig seufzend den ersten Kaffee des Tages auf dem Balkon genießt. Freilich, der Sommer ist vorbei. Wir hatten schon Tage, da waren es morgens nur vier Grad und Tage, in denen man fröstelnd auf den Bus wartete und dem Sommer hinter her trauert. Aber heute nicht. Gesten und heute wurden uns Münchnern zwei Tage geschenkt, die so herrlich sind, dass man dem Sommer gar nicht hinterher trauern kann.  Weiterlesen

Sie rennt

Sie läuft. Die etwa vierzig jährige Frau in der U-Bahn läuft davon. Obwohl sie sich langsam und keineswegs hektisch durch die dicht an dicht stehenden Körper schiebt, rennt sie davon. In einer vollbesetzten U-Bahn ist es schwer davon zu laufen. Diese Frau kann es. Sie ist geübt darin. Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen bahnt sie sich zielstrebige ihren Weg und wirkt dabei nicht unfreundlich. Sie muss sich durch die Menschen schieben um zur Tür zu kommen. Das ist leichter, wenn man lächelt. Dann beachtet einen niemanden und sie läuft nicht Gefahr, dass einer sie zu lange ansieht. Blickkontakt mag sie nicht, das sieht man, denn sie vermeidet ihn eine Spur zu bedacht.
Würde man dieser Frau nur für fünf Sekunden die Hand auf den Unterarm legen, sie würde zusammen brechen. Ein Mensch, der sich so sehr konzentriert gerade zu stehen, der hat kein Rückrad mehr. Weiterlesen