Ich bin ein höflicher Mensch. Da können Sie wirklich jeden Fragen. Ob man meine Macken und Eigenarten charmant oder schrecklich findet, darüber kann man streiten. Über meine guten Umgangsformen aber nicht. Dachte ich, bis mir mein Nachbar Paul vorwarf, dass meine vermeintliche Höflichkeit an Dummheit nicht zu überbieten ist. Ich sehe das anders.
Was würden Sie denn denken, wenn Sie Samstagmorgen bei strahlendem Sonnenschein, zwei älter Damen vor der Haustüre antreffen, die konzentriert die Namen der Klingelschilder betrachten? Dass sie einen Raubüberfall planen? Dass sie gleich zu randalieren beginnen und das Treppenhaus zerlegen? Vermutlich nicht. Und genau deshalb habe ich die beiden Frauen auch ins Haus gelassen ohne mich nach dem Grund zu erkundigen. Wenn man halbwegs höflich ist, dann hält man anderen die Türe auf, auch wenn man sie nicht persönlich kennt. Und auch was meine angebliche Dummheit betrifft liegt Paul falsch. Nachdem die beiden reizenden Damen mich nämlich ohne Einleitung fragten ob ich glücklich bin (Antwort ja) und ob ich an Gott glaube (Antwort verweigert) war ich schlau genug mich ganz schnell aus der Affaire zu ziehen.
1:0 für Paul
