Lichtblick für Paul

Wie nervig der Klingelton des eigenen Handys ist, wird einem erst bewusst, wenn es das dritte Mal innerhalb einer Viertelstunde klingelt. Auch, dass der Ton viel zu laut eingestellt ist, erkennt man erst, wenn der Anrufer beim vierten Mal und zunehmend genervt ins Telefon blökt. Meine Nachbarin Judith ist selten genervt, blökt nur wenn sie einen sehr schlechten Tag hat und ich kann mich nicht erinnern, dass Sie mich schon einmal vier Mal hintereinander angerufen hat. In all den Jahren stand sie aber auch noch nie in meinem Kellerabteil und musste nach etwas suchen, von dem ich selbst nicht weiß, wo es sich befinden könnte. Eigentlich bin ich noch immer davon überzeugt, dass ich die Lichterkette für unseren gemeinsamen Laubengang im Februar links ins Regal gelegt habe. Dort liegt nämlich alles was ich regelmäßig, also einmal im Jahr, brauche. Zwei Mal habe ich Judith versichert, dass die kleinen LED Lichter nur dort – direkt beim Weihnachtsfondue –  sein können und zwei Mal teilte sie mir mit, dass sich dort weder ein Fondueset noch eine Lichterkette befinden würden. Bevor ich ein drittes Mal darauf bestehen konnte, erhielt ich ein Beweisfoto via WhatsApp und Judith drang tiefer in den wohl intimsten meiner angemieteten Räume vor. Der dritte Anruf war von lautem Scheppern begleitet und informierte mich, dass es eine saublöde Idee sei, die Blumentöpfe des Sommers auf den Boden und nicht in die Regale zu stellen. Der vierte, dass mein Regal ein Miststeil und eine Beladung von fünf Terrakottatöpfen tatsächlich nicht gewachsen sei. Ich sparte es mir ihr zu sagen, dass ich das bereits gewusst habe. Überhaupt sparte ich mir jeden Kommentar, weil ich schließlich dankbar sein musste, dass sie sich an meiner statt in den Keller begeben hatte. Ich darf nämlich nicht. Seit ich unter Quarantäne stehe, ist mir das Verlassen meiner Wohnung verboten und für die Suche von Dekorationsmaterial wird keine Ausnahme gemacht.  Weiterlesen