Mein Bereich. MEINER!

Das Zusammenleben mit einem anderen Menschen erfordert einen gewissen Grad an Kompromissbereitschaft. Selbst dann, wenn sich das Zusammenleben nur auf Tage oder Wochen bezieht. Ich selbst bin ein sehr kompromissbereiter Mensch – solange ich meinen eigenen Bereich habe. Sich Bad und Küche zu teilen ist kein Problem, solange sich niemand erdreistet seinen Haargummi auf MEIN Ablagebrett zu legen oder MEIN gefaltetes Geschirrtuch zu verschieben, auf dem MEIN in Benutzung befindliches Glas abgestellt ist. Im Urlaub bin ich recht unkompliziert. Zwar wäre es mir am liebsten, auf dem Balkontisch mit Kreide mittig eine Linie zu ziehen, damit wir jeder unseren Bereich haben, aber das ist natürlich albern. Es reicht völlig, die Seiten am ersten Ferientag einmalig festzulegen. Vielleicht bin ich da tatsächlich etwas pingelig, aber ich glaube, dass es kaum einer meiner Freundinnen auffällt, wenn ich ihre Kopfhörer, Gläser oder Bücher im dreißig Minuten Rhythmus unauffällig über die imaginäre Linie des Tisches in den richtigen (IHREN) Bereich schiebe. Möglicherweise auch im zehn Minuten Rhythmus, aber das nur Anfangs, da ich im Laufe der Tage meist eh mit Kerzen, Salz- und Pfefferstreuer und Obstschalen ein kleines Mäuerchen baue. Neurotisch oder zwanghaft ist das übrigens nicht. Das behauptete nur eine und die ist abgereist, bevor ich mich erklären konnte.

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Als ungarische Prinzessin haben Sie nichts zu lachen

Als Münchnerin etwas über den Fasching schreiben zu wollen, ist eigentlich ein richtiger Schmarrn. Wer etwas über den Münchner Fasching wissen möchte, der soll sich die Serie „Monaco Franze“ ausleihen und die Folge 5 „Herr der sieben Meere“ anschauen. Damit ist alles gesagt. Besser geht es nicht. Auch nicht wenn fast 35 Jahre vergangen sind. Helmut Dietl hat München so perfekt und so auf den Punkt genau beschrieben, dass ein jeder der es versucht, nur scheitern kann. Ich natürlich auch, aber das ist mir egal. Ich mag den Fasching nämlich nicht und den Karneval noch viel weniger. Ich gehöre zu den Menschen, die sich viel zu oft aus versehen zum Affen machen, als das sie ein Kostüm bräuchten und auch zu denen, die nicht auf Kommando fröhlich sein könnenden. Die Aufforderung doch ein bisschen Spaß zu haben, funktioniert bei mir nicht. Wenn  mich einer bittet, zu lachen, dann frage ich ihn warum und erbitte ganz ernst eine Erklärung warum ich gerade jetzt denn  lachen solle. Jetzt, wo gerade die Polarkappen schmelzen und der Plastikmüll die Weltmeere verschmutzt. Wer mich kennt, bittet mich aus leidvoller Erfahrung gar nicht erst darum, zu lächeln oder lachen. Meine Freunde hoffen sogar, dass ich nicht  in schallendes Gelächter ausbreche. Das tue ich nämlich am liebsten dann, wenn es unangebracht ist. Weiterlesen

Tanz!

Samstag sah ich den Tod. Ein weißes Gerippe unter einem schwarzen, langen Umhang. Die weite Kapuze tief über die knöcherne Stirn des blanken Schädels gezogen, schlich er sich langsam und ohne Eile heran. Er ist ein großer, schlanker Mann. Natürlich ist er schlank. Denn dort wo das Fleisch und das Fett des Körpers fehlen, ist ein jeder dünn. Dass pure Knochen schön sein können, wusste ich nicht. Aber er war schön. Der Tod war ein schöner Mann. Weiterlesen