Schatten

In meiner Wohnung steht ein Schweißgerät. Oder ähnliches. Irgendetwas, das unglaublich dreckig ist, zu dem ein Helm gehört und dessen dickes Kabel an Starkstrom angeschlossen werden muss. Das Ding gehört zu jenen Gegenständen, die mir völlig fremd sind und die in meiner Wohnung kaum deplazierter herumstehen könnten. Trotzdem steht es hier gut. Es blockiert die Türe zu meinem Flur, weil sich Tage zuvor zwei unterschiedliche Menschen an meinem Wohnzimmertisch getroffen haben und feststellten, dass einer etwas braucht, was der andere hat. Zwei Menschen die ich beide sehr, sehr gern habe und die sich zuvor nicht kannten. Der eine mein Neffe, der andere ein Freund, in dessen kleinen Theater ich vor vielen Jahren und unzähligen Zufällen geschuldet das allererste Mal meine Erzählungen lesen konnte. Schön war dieser Abend an dem ich wahllos ein knappes Duzend meiner Lieben einlud um mit ihnen anzustoßen. Ich mache mir nie Gedanken, ob Gäste zusammen passen. Meistens ist das einzige was sie verbindet die Tatsache, dass ich sie mag. Erstaunlich dass das fast immer reicht, um einen schönen Abend zu haben. Eine Woche vor meinem Geburstag stelle ich eine WhatsApp Gruppe zusammen, nenne Ort und Zeit und lasse mich überraschen wer kommt. Die Eingeladenen mögen wahllos erscheinen, aber ich vertraue darauf, dass mein Bauch meinen Fingern schon die richtigen Namen zuflüssert. In manchen Jahren sind es gute vierzig, in anderen nur vier. Dieses Jahr ein halbes Duzend und es passte. Mein Neffe passt immer, das wusste ich. Seine Freundin auch und der Rest eh. Alles passte und deshalb kann jetzt einer ein Schweißgerät abholen, weil es ein anderer hatte und gerade nicht brauchte. Nur dieser dumme, winzig kleine Schatten, der war lästig.

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