Dünnes Eis

Der Mann, der ab und zu mit einer Flasche Wein vor meiner Türe steht, schüttelt den Kopf und schnalzt mit der Zunge. Bei ihm heißt das nein. Die Kombination aus Kopfschütteln und Zungeschnalzen ist ein „Nein“ mit einem dicken, fetten Ausrufezeichen. Ein „Nein“ über das er nicht zu diskutieren bereit ist. Obwohl er dem Valentinstag ebenso wenig Bedeutung wie ich zumisst, ist er nicht gewillt, sich an genau jenem Tag einen neunzig minütigen Monolog seiner Freundin anzuhören der den Titel „Nix mit Amore“ trägt. Selbst ihm, einem überaus pragmatischen und sicher nicht abergläubischen Menschen, erscheint das ein wenig unpassend. Er grinst und schiebt hinter her, dass er außerdem, leider, leider, an diesem Freitag auch ungewöhnlich lange arbeiten müssen wird. Ich bin ein wenig erstaunt, dass er das schon neun Wochen vorher weiß, aber auch ein bisschen erleichtert. Einer weniger. Ich gebe zu, dass die Erleichterung einen Zuhörer weniger zu haben, auch für mich neu ist. So neu, wie aus dem eigenen Tagebuch zu lesen, fragt mein Freund und zwinkert mir noch breiter grinsend zu. Auch er ist erleichtert. Erleichtert, bei den damaligen Einträgen noch nicht in Erscheinung getreten zu sein und wünscht mir einen wunderschönen Abend. Einen, bei dem er leider, leider nicht anwesend sein kann. Weiterlesen

Nix mit Amore

Auswandern ist etwas für Abenteurer. Menschen, die alles hinter sich lassen, um in einem fremden Land neu anzufangen, müssen mutig, unerschrocken und neugierig sein. Sie brechen auf, um die brennende Sehnsucht in ihren Herzen zu stillen. Das Unbekannte lockt sie und das Vertraute langweilt sie. Dort wo andere noch vorsichtig um die Ecke blicken, rennen sie getrieben vom Fernweh schon los. Sie gehören zu den Menschen, die Hindernisse als Herausforderungen bezeichnen und Stillstand als Zumutung empfinden.
Auswanderer vereinen so ziemlich alles in sich, was ich nicht habe. Sie sind wie mein Freund. Er hat mir gezeigt, dass es Momente im Leben gibt, in denen man einfach springen muss. Ins kalte Wasser, über den eigenen Schatten und über die Alpen. Dorthin, wo das Herz schneller schlägt.

Eine turbulente, humorvolle Erzählung über Freundschaft, Sehnsucht und dem Abenteuer eines neuen Lebens unter der Sonne Italiens.

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