Randnotiz – Geschlachteter Nikolaus

08:00 Uhr
Wie schön es doch ist, wenn man morgens im Büro einen Nikolaus vorfindet. Diesmal schlachte ich ihn nicht. Ich muss an meinem Ruf arbeiten. Ganz liebevoll werde ich ihn durch den Advent auf meinem Schreibtisch stehen haben. Er wird mich ermahnen, es ruhig und gelassen angehen zu lassen. Einen Kerl, der so lieb lächelt, schlachtet man nicht einfach.

08:10 Uhr
Ich hätte etwas frühstücken sollen. Mein Magen knurrt und ich rieche die Schokolade durch das Papier. Wenn ich ihn vorsichtig am Rücken öffne, dann kann ich ihm eine kleine Rippe entnehmen. Ganz vorsichtig. Und dann wieder einpacken, damit er den ganzen Advent neben dem Bildschirm steht und lächelt.

08:25 Uhr
Ich habe ihm den Kopf abgerissen. Den ganzen Rumpf abgetrennt. Bin ja kein Chirurg und weiß nicht wo Nikoläuse die Rippen haben, die man entfernen kann. Es war ein Versehen und weil mir das sonst keiner glaubt, fotografiere ich den sterbenden Nikolaus. Zu lange lasse ich ihn aber nicht leiden. Das hat er nicht verdient. Er lächelte so lieb.

09:00 Uhr
Welcher Depp schenkt mir einen Nikolaus? Es muss einer sein, der mich nicht mag. Einer der weiß, dass ich jetzt über ein schlechtes Gewissen habe, weil alle meine Kollegen die ihren jetzt bis Weihnachten auf dem Tisch stehen haben und ich, die kleine Blonde aus dem hintersten Zimmer, erbarmungslos zugeschlagen hat. Wüsste ich es nicht besser, würde ich vermuten er kommt aus Norddeutschland. Irgendwo bei Hamburg.