Entriegelungstaste

In caso di mancata accensione si ha l’illuminazione della lampada spia. Premendo il pulsante dello sbloccaggio, si avrà la ripetizione dell accensione.

Was bedeutet das, möchte die Frau neben mir wissen und sieht mich fragend über den Rand ihrer Brille an. Die Frage irritiert mich, denn von uns beiden ist sie die Muttersprachlerin. Aber bitte. Ich kneife die Augen zusammen, lese noch einmal und übersetze dann: „Wenn die Zündung ausfällt, leuchtet die Warnlampe auf. Durch Drücken der Entriegelungstaste wird die Zündung erneut ausgelöst.“ Der darauf folgende Knurrlaut bedeutet sowohl auf Italienisch als auch auf Deutsch das gleiche: „Hä?!?“ einen Moment lang schaut sie mich irritiert an und schüttel dann den Kopf. Was der Blödsinn soll, das ganze jetzt auf Deutsch zu sagen, will sie wissen und erklärt dass sie keine Ahnung hat was diese Anweisung zu bedeuten hat. Nicht auf Italienisch und auf Deutsch schon gleich gar nicht. Deutsch würde sie nämlich nicht sprechen. Ich bedanke mich für diese, mir nicht neue, Info und stecke die Hände in die Hosentasche. Was ist denn die Entriegelungstaste, frage ich und beuge mich nach vorne um besser zu erkennen was hier vielleicht nach einer Entriegelungstaste aussieht. Es folgt eine kleine Diskussion darüber, dass deutsche Worte grundsätzlich zu lang sind. Die bringt uns nicht weiter und ich frage, was im vorliegenden Fall denn der pulsante dello sbloccaggio sein könnte? Dreimal wird (völlig unnötig) meine Aussprache korrigiert, dann wird mit den Schultern gezuckt. Pulsante… doch ja, das müsste etwas zum Drücken sein, aber ich sehe nichts was man drücken könnte. Ich frage ob man einen Pulsante immer drückt, oder ob man ihn womöglich auch drehen kann. Neben mir sieht mich eine an als ob ich nicht mehr ganz dicht wäre und beginnt langsamer zu sprechen. Das nervt mich und ich versichere ihr, dass ich ihr Italienisch durchaus auch schneller gesprochen verstehe, bei der Betriebsanleitung eines Warmwasserboilers aber unsicher bin. Und auch das liegt weniger an meinem Italienisch, sondern an der Tatsache, dass ich bei diesem antiquierten Ding Angst habe auch nur irgendetwas zu drücken. Vor allem dann, wenn etwas das, was eindeutig als Warnleuchte beschrieben wird, bereits rot leuchtet.

Die freundliche Nachbarin, die bereit war zu helfen, klopft mir aufmunternd auf die Schulter. Pass auf, sagt sie, ich gehe jetzt wieder rüber und du drückst einfach auf den einzigen Knopf der frei zugänglich ist. Ich möchte mich gerade bedanken, als mir durch den Kopf schießt, dass es kein gutes Zeichen ist das sie vor dem Drücken die Flucht ergreift. Ich erkläre ihr, dass es auf jeden Fall besser ist wenn sie den Knopf drückt. Wenn hier etwas in die Luft fliegt, dann wäre sie doch sicher versichert. Ich dagegen, weiß nicht ob meine Haftpflichtversicherung auch im Ausland gültig ist. Das Wort „Zündung“ beunruhigt uns beide. Wir besprechen das ganze eine Weile und nach 5 Minuten stehe ich wieder alleine vor den komischem technischen Ding, das in den Wohnungen hier am Meer auf den kleinen Balkonen vor den Küchen steht und vor dem ich einen heiden Respekt habe. Ich würde es gerne ignorieren, aber ich dusche bereits seit zwei Tagen kalt. Und auch wenn es hier noch deutlich wärmer als in München ist, für eine kalte Dusche ist es einfach schon zu frisch. Außerdem habe ich keine Lust mehr zum Abspülen Wasser im Wasserkocher zu erhitzen. Das könnte ich natürlich auch auf den Gasherd machen. Eigentlich. Vor allem wäre es wesentlich leichter, da der Wasserkocher dem Besitzer dieser wunderschönen Wohnung, aus Deutschland mitgebracht wurde und sein Stecker nur in die Steckdose im Schlafzimmer passt. Aber man will ja nicht meckern, dank dieses Wasserkochers konnte ich mir wenigstens die Haare mit warmen Wasser waschen. Ach so ja der Gasherd… Der funktioniert ganz sicher, aber diesmal scheint es nicht zu reichen den Hahn aufzudrehen. Ich muss irgendeinen Haupthahn aufdrehen hat man mir gesagt. Und so sehr ich es liebe mit Gas zu kochen, es widerstrebt mir irgendwelche Hähne aufzudrehen, die ich noch nie aufgedreht habe und bei denen ich immer die Vorstellung habe etwas in die Luft zu jagen.

Eine Stunde später rufe ich einen alten Arbeitskollegen aus Verona an. Ich schildere ihm mein Problem und er hört mir geduldig zu. Etwa fünf Minuten lang, dann unterbricht er mich. Er wisse beim besten Willen nicht ob eine deutsche Haftpflicht Versicherung auch für Auslandsschäden aufkommt. Allerdings, so sagt er, würde er sich ehrlich gesagt weit mehr dafür interessieren, was zum Henker ich eigentlich gerade machen würde. Ich müsste es ihm auch gar nicht sagen, versichert er mir. Noch viel wichtiger sei ihm, dass ich das was ich machen möchte bitte auf keinen Fall machen soll, denn Dinge bei denen man überlegt ob etwas in die Luft fliegt, die lasse man besser. Mir wird klar, dass ich ihm von meinem Schalter Problem noch gar nicht erzählt habe. In wenigen Sätzen erkläre ich es ihm und er bittet mich um ein Foto der Therme. Ich schicke es ihm und er ruft mich zurück. Drück auf den schwarzen Knopf neben der roten Lampe und dreh den grünen Schalter in die horizontale, sagt er und wünscht mir einen schönen Tag.

Eine gute halbe Stunde habe ich mich nicht getraut. Dann kam aus Verona eine SMS. Mein ehemaliger Arbeitskollege kennt mich gut. Er kennt mich sogar sehr gut. Er schrieb mir: MACH ES!

Gerade habe ich warm geduscht und Nudelwasser aufgesetzt. Ob meine Haftpflicht Versicherung hier in Ligurien für mögliche Schäden bezahlt weiß ich nicht, aber das ist jetzt erst mal auch nicht mehr wichtig. Mein Kollege schrieb übrigens nicht, dass ich es einfach machen soll. Er schrieb: Mio Dio, come si fa a sopravvivere se si ha paura di un bottone innocuo? Was übersetzt in etwa bedeutet, dass er sich fragt wie ich den Alltag über lebe wenn ich schon vor harmlosen Tasten Angst habe. Gut, würde ich sagen. Meines Erachtens liegt das vor allem daran, dass ich in der Regel nur ungerne Knöpfe drücke die Zündung auslösen. Nachvollziehbar, oder?