Alte Männer

Nicht nach Italien, sagt mein Vater, als er mir für zwei Wochen sein Auto überlässt und in die S-Bahn Richtung Flughafen steigt. Sein Auto trägt noch Sommerreifen und in Österreich ist ab November Winterreifenpflicht. Ausnahme Sommerreifen mit Schneeketten. Eine Alternative, die mir wenig verlockend erscheint. Zumal die Schneeketten (vorsichtshalber) aus dem Kofferraum entfernt wurden. Mein Vater kennt mich und mein Fernweh. Ich bleibe also. Und weil ich bleibe, erklärt mir heute ein weiterer alter Mann, was ich zu tun und zu lassen habe. Zum Friedhof erst ab acht und natürlich nicht mit dem Auto, meint der alte Mann, formuliert es aber gewohnt ruppig.

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Randnotiz #3

Ich war gerade volljährig geworden und arbeitete in einer Bank. An diesem letzten Oktobertag fielen bereits die ersten Schneeflocken. Kalter Wind und rutschiges Laub waren nichts für den wackligen, über achtzigjährigen Kunden, den ich gerade bediente.

Ob er wirklich unbedingt morgen, an Allerheiligen, auf das Grab seiner Frau müsse, fragte ich ihn und deutete auf den Stock, der nur notdürftig für einen sicheren Schritt sorgte. Er lächelte und nickte. Freilich, sagte er. Stell dir vor, sie (seine Frau) sitzt da oben, wartet und keiner kommt.

Ich habe den Satz nie vergessen. Allerheiligen (und immer wenn mir dieser Satz durch den Kopf schießt) muss ich an das Grab meiner Großeltern, meiner Urgroßeltern und meiner Großtante Mitzi. Ich weiß nicht ob ich daran glaube, aber…stell dir vor, sie sitzen da oben, warten und keiner kommt. Ich muss hin. Ich will hin. Ich bin gerne dort.