Herr Meier geht fremd

Wenn der alteingesessene Münchner sein eigenes Viertel verlässt, dann nennt er sein Ziel selten beim Namen. Der Giesinger zum Beispiel, verkündet nicht, dass er in die Altstadt radelt – er fährt „rein“. Rein in die Stadt. Dass es sich um die Innenstadt handelt, ist anderen Giesingern dabei völlig klar. Der Giesinger fühlt sich in seinem eigenen Viertel nämlich so wohl, dass er die anderen Stadtteile weitestgehend ignoriert. Das Zentrum, die Altstadt ist ein Sonderfall – die mag der Giesinger. Weitere Ausnahmen sind die angrenzenden Viertel. Nach Harlaching geht man „hoch“ weil man sich die Isar betrachtend flussaufwärts bewegt. In die Au „runter“ – weil der Obergiesinger ein Bergerl runter muss und für den Untergiesinger die Au flussabwärts liegt. Und in das Glockbachviertel gehen wir „rüber“, weil hier die Isar überquert wird. Weitere Ausflüge innerhalb der Stadt unternimmt der Giesinger eher selten und ist ausnahmslos immer froh, wenn er wieder daheim ist. Abgesehen von dieser kleinen Absonderlichkeit zeichnet sich der Giesinger unter den Münchner als besonders aufgeschlossen und neugierig aus. Neues gefällt ihm. Vorausgesetzt man setzt es ihm vor die Nase und er muss nicht raus, runter, rüber oder es handelt sich um etwas, das nach Schwabing oder Maxvorstadt riecht. Da hat der Giesinger eine empfindliche Nase.

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Sommer – dank mir etwas anstrengend

Morgen machen wir uns einen ruhigen Tag, sage ich zu meiner Freundin und schnappe mir die letzte Nudel aus der Pfanne. Morgen, plane ich weiter, verabschieden wir uns in aller Ruhe vom Sommer – nur du und ich und ganz in ohne Stress. Die Temperatur an diesem Montag wird noch einmal fast hochsommerlich warm sein und keiner meiner Freunde ist hier. Sie haben den Sommer bereits beendet und der, der mir am wichtigten ist, ist gerade dort, wo ich sonst bin – in München. Auf der Wiesn. Klar, es ist Italienerwochenende. Das Wochenende an dem ich ans Meer flüchte und er, der seit vielen Jahren mehr Italiener als Münchner ist, in die alte Heimat zurück gekehrt ist. Blöde Planung, meint meine Freundin und ich zucke mit den Schultern. Vielleicht, andererseites haben wir einen ganz besonders schönen Tag vor uns. Den letzten richtigen Sommertag, bevor uns in München der Herbst erwartet und den wir ganz für uns haben. Morgen machen wir es uns gemütlich, sage ich zu meiner Freundin und verdrehe die Augen, als sie mit einem „abwarten“ antwortet und sich mit einem Glas Wein auf den Balkon setzt. Sie kennt mich. Und den mutigsten meiner Freunde auch. Vielleicht mittlerweile ein bisschen zu gut.

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Kommunikation & Salbei

Es gibt Männer, die können ganz wunderbar mit ihren Augen kommunizieren. Rhett Butler zum Beispiel. Aber auch ein paar andere. Echte. Bei solchen Männern sind Worte zweitrangig. Ein Blick und die Partnerin weiß, was er denkt. Ohne nachfragen zu müssen, weiß sie, dass der, der ihr inmitten von Freunden gegenübersitzt und sie gerade ansieht, daran denkt, das Abendessen in größerer Runde schnellstmöglich zu beenden, um mit ihr, die seinen Blick erwidert, nach Hause zu fahren und sich den ersten Kuss schon im Treppenhaus abzuholen. Ich finde das toll. Küssen im Treppenhaus eh, aber vor allem diese wunderbare, non verbale Kommunikation zwischen zwei Menschen, die sich gut genug kennen, um sich mittels eines Blicks zu verständigen. Schön ist das. Der, der ab und zu mit einer Flasche Wein vor meiner Türe steht, kann das nicht so gut. Küssen im Treppenhaus schon. Mit Blicken kommunizieren weniger. Überhaupt Kommunikation….da ist er etwas….hm…unbeholfen? Nein, das Wort passt nicht, weil er könnte durchaus, wenn er wollte. Stur? Ja, das passt besser. Er weigert sich, mir Dinge mitzuteilen, von denen er überzeugt ist, dass ich sie bereits wissen müsste. Versuche ich ihm zu erklären, dass mir das eine oder andere nicht verständlich ist, nickt er, lächelt milde und empfiehlt (mir), dann einfach noch ein bisschen darüber nachzudenken. In solchen Momenten vergesse ich meinen Wunsch nach Kommunikation und würde ihm am liebsten einfach gegen das Schienbein treten. Mach ich nicht. Aber ich würde gerne und das alleine zeigt, dass unsere Kommunikation Schrott ist.

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Alles nur Phasen

Ob er schon mal von der Perimenopause gehört hat, frage ich den, der ab und zu mit einer Flasche Wein vor der Tür steht und ahne die Antwort, bevor er sie ausspricht. Oder auszusprechen zu vermeiden versucht. Ein Nicken – klar, vermutlich kann er als Mediziner die meisten Begriffe einordnen und ein kleines, schnelles Kopfschütteln, das nonverbal signalisiert, dass er im Bezug auf mich dazu weder eine Meinung hat, noch eine haben möchte. Muss er nicht und es geht auch nicht um mich. Ich nehme mir eine Hälfte der von ihm belegten Semmel und erkläre ihm, dass meine Kolleginnen der Auffassung sind, dass der Eintritt in besagte Perimenopause mit dem Zeitpunkt zusammen fällt, in dem man als Frau für Männer unsichtbar wird. Er nimmt mir meine (seine) Semmel wieder aus der Hand, lehnt sich zurück und erklärt, dass ich in diese Phase dann wohl eindeutig noch nicht eingetreten sei. Weil er grinst und nicht lächelt, ist das weder ein Kompliment noch eine neutrale Feststellung. Weil er aber auch nicht mehr dazu sagt, erkläre ich ihm, was besagte Kollegin meint.

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Von grau zu bunt

An manchen Tagen ist meine Heimatstadt hässlich. Selten, aber wenn sie sich einen grauen Schleier umhängt, dann sieht sie scheußlich aus. Ein Hochsommerregen macht München noch nicht hässlich. Wenn der ganze Juli aber ins Wasser fällt, dann drückt das auf die Stimmung. Selbst auf meine. Dann nützt die größte Vorfreude nichts mehr und die Laune wird grau. Erste Reihe….so ein Schwachsinn. Jeder mit Verstand hat Sitzplatzkarten. Wenn überhaupt. Weit über 100 Euro für etwas, das man sich mit einem Glas Wein in der Hand und trocken auch ganz bequem als ältere Aufzeichnung auf Youtube ansehen kann. Irgendwie schon bescheuert, jetzt loszurennen. Noch bescheuerter die Bekannten, die das komplette Programm auffahren. Die eine hat im Status den Olympiaturm bei Sonnenaufgang. Wie dämlich kann man sein bei der Wetterprogonse um 06:47 Uhr in den Olympiapark zu gehen. Sehr, wenn Sie mich fragen. Ich lehne gegen 11.00 Uhr in der U-Bahn und habe schlechte Laune. Graue Laune. In eine solche kann ich mich gut reinsteigern. Obwohl das Bild der Bekannten wirklich schön ist. Auch das zweite. Da sitzt sie mit anderen unter einem Unterstand und wartet. Warten…stundenlang. Ja, früher waren das tolle Tage. Aber heute…was zum Henker haben wir in der Zeit früher gemacht? Ich bin grau. Grau und alt. Uralt. An einem Konzerttag ist das mehr als ungut.

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Bitte…(sprechen Sie das Wort in der gewünschten Emotion aus)

Sie haben drauf gewartet. Geben Sie es zu! Sie kennen mich jetzt schon eine ganze Weile und und wissen deshalb sicher, wie ich zum Schreiben gekommen bin. Na, kommen Sie… Sie erinnern sich doch sicher, dass ich meine ersten tippenden Schritte in einem Fan Fiction Forum für Robbie Williams gemacht habe. Ich hab Ihnen bestimmt mehr als einmal erzählt, dass ich dort eine ordentliche Karriere hingelegt habe. Mit der mir damals anhaftenden Arroganz erklärte ich den schreibenden Mädels, dass man das viel besser machen könne. Zum Beispiel so wie ich. Heute bin ich viel viel weniger arrogant. Trotzdem waren meine damaligen Geschichten gut. Sie hatten den Umfang eines dreibändigen Romanes. Jeder einzelne. Und weil man so viel über irgendeinen Popstar nicht schreiben kann, hab ich ihm hunderte andere Leben angegedichtet. Na gut, nicht hunderte, aber ein gutes Dutzend andere. Und jetzt fragen Sie mich bitte nicht, wo rauf ich hinaus will. Auf morgen natürlich. Morgen ist Robbie Williams in München und ich bin dabei.

Abgesehen vom Starkregen, der für den ganzen Tag angesagt ist und meinem festen Vorsatz, in die erste Reihe zu kommen und der Tatsache, dass ich deswegen vermutlich  12 Stunden in strömenden Regen stehen werde, macht sich mein Freund aktuell um ganz andere Dinge Sorgen.

In den letzten 48 Stunden habe ich ihn sehr oft „bitte“ sagen hören. So einbitteist an sich ein ziemlich unscheinbares Wort. Aber es lässt sich in wahnsinnig viel Nuancen aussprechen. Ich wusste gar nicht, dass mein Freund so viele verschiedene Tonlagen und Untertöne im Repertoire hat. Bewundernswert, wenn er mich nicht seit besagten 48 Stunden unglaublich nerven würde. Er sagt zum Beispiel: Mitzi, bitte! Wenn ich ihm meine Provianttasche für morgen zeige. Ich weiß nicht was der Mann erwartet, was man für einen Ansteh-Marathon vor einem Konzert mitnimmt, aber klein geschnittenes Obst ganz sicher nicht. Bitte und ein Fragezeichen im Tonfall, hatte er bestimmt ein halbes Dutzend mal, wenn er nachfragte, ob ich wirklich bei diesen Wetterverhältnissen vorhabe, in die erste Reihe zu gelangen. Und dabei weiß er noch nicht mal, dass meine Freundin vor nicht allzu langer Zeit operiert wurde und sich vermutlich trotz glitschigen Stufen nicht davon abhalten lassen, wird diese im Olympiastadion nach unten zu rennen. Was das angeht, hat er aufgegeben und nur noch zweimal fallen gelassen, dass mir hoffentlich klar ist, dass er weder Orthopäde noch Chirurg ist. Übersetzt bedeutet das, wer auch immer sich von euch morgen auf die Schnauze legt, ich will nicht angerufen werden. Geht klar, wir werden den Onkologen nicht belästigen und nach keinem Pflaster fragen. Und bevor er meint, das kleine Wort weiter überstrapazieren zu müssen, hab ich ihm hier etwas zusammengeschrieben. Schon vor einigen Jahren und damals nicht an ihn adressiert. Aber manches scheint sich nicht zu ändern. Weder meine Leidenschaft für Robbie Williams Konzerte, noch das Unverständnis meiner Partner. Aber Ihnen war’s wahrscheinlich klar. Sie wissen, dass er auf Tour ist, und haben sich schon gefragt, wann ich dazu etwas schreiben werde. Und sollten Ihnen ein „bitte nicht schon wieder „auf den Lippen liegen… Warten Sie ab, was ich noch alles posten werde. 

Robbie Williams und ich pflegten über lange Jahre ein sehr innige, fast schon intime Beziehung. Zugegeben, sie war etwas einseitig. Aber meine Leidenschaft reichte locker für uns beide. Zum Leidwesen meines damaligen Freundes, der an meinem Verstand zu zweifeln begann, als ich mich in den Tiefen des Internets auf die Suche nach einem 1,85 m großen Pappaufsteller dieses Mannes begab. (Das dieser nicht für unser Schlafzimmer bestimmt war und letztendlich der Grund ist, dass ich heute hier schreibe können Sie  hier nachlesen.) An den Rand der Verzweiflung getrieben habe ich ihn aber erst, als meine bisher geheim gehaltene Leidenschaft in über 250 Kinos weltweit öffentlich gemacht wurde. Während dieser Zeit lernte ich ein faszinierendes Talent meines Freundes kennen. Er schaffte es, in das kleine Wort „bitte“ mehr Emotionen einfließen zu lassen, als in den kompletten sieben Jahren unserer Beziehung. Weiterlesen

Kontrollverlust

Denken Sie noch manchmal an die Pandemie? An Corona und wie es damals gewesen ist? Ich ja. Im Sommer ganz besonders. Nicht täglich, aber immer wieder. Weniger an Jens Spahn und seine Maskenaffaire, aber durchaus an die Auswirkungen, die diese Ausnahmezeit auf mein künftiges Leben hatte. Man möchte meinen, dass ich als allein wohnende Person mit einem Job der nicht von der Pandemie betroffen war und ohne schulpflichtige Kinder, recht gut durch die diese Zeit gekommen bin und das stimmt auch. Aber danach, als die meisten wieder ganz normal arbeiten konnten, die Kinder vormittags wieder aufgeräumt waren und das Leben wieder normal wurde – da hat es mich erwischt. Vor allem meinen Keller. Dort stampeln sich zwar keine, zu teuer erworbenen Masken, dafür aber Gläser. Und das ist ein Problem. Nicht Ihres, aber meines. Und deshalb müssen Sie sich jetzt anhören, welch katastrophale Auswirkungen Corona noch heute auf uns (also mich) hat.

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Rilassati

Rilassati, sagt eine Freundin, als ich versuche sie am Telefon abzuwürgen. Rilassati…entspann dich, ist leicht gesagt. Leichter bestimmt, wenn man nicht in 90 Minuten am Bahnhof sein muss und noch knöcheltief zwischen Kleidern, Bikinis und Dingen die man einpacken, aber sicher nicht brauchen wird, steht. Rilassati, denke ich mir selbst 30 Minuten später und werfe wahllos ungebügelte Kleidungsstücke in den Koffer.
Rilassati denke ich mir, als ich mir eine Taxifahrt für 50 Euro gönne, weil die Alternative ein Hitzschlag wäre. Und denke es solange weiter, bis ich es mir nicht mehr sagen muss, weil ich es fühle. Entspannung pur. Oder – wie eine mir nahestehende Person es beschreibt – meine Eigenart bei der Überschreitung der Grenze am Brenner eine erstaunliche, ihr nicht ganz geheure, Gelassenheit an den Tag zu legen. Es handelt sich hierbei übrigens um keine Eigenart. Ganz im Gegenteil, es ist eine hart antrainierte Fähigkeit, absolut nichts zu erwarten, nichts zu planen und mit allem was geschieht zurecht zu kommen.

Mit dem obligatorischen Streik letzten Donnerstag in Italien zum Beispiel. Man könnte versuchen mit dem Bus ans Ziel zu gelangen oder man macht einfach gar nichts, bucht sich im schönsten Strandbad ein und sieht ein, dass die über 80 % Luftfeuchtigkeit gepaart mit Gluthitze eh keine Alternative zugelassen hätten. Ich bin im „Rilassati Modus“ und freue mich, dass es meiner Freundin, die zum ersten Mal bei mir in Italien ist, genauso geht. Wir versumpfen beim Aperitiv und sagen den Tisch im Restaurant ab. Lassen uns treiben und genießen planlos all das was sich gerade gut anfühlt. Ich soll mich schön weiter entspannen, gibt sie mir noch mit auf den Weg, als ich sie am Bahnhof in Genua in ihren Zug setze.

Ja, hatte ich vor. Blöderweise bin ich nur bis Genova Pra gekommen und muss fünf Stationen weiter. Der Zug steht. Eine Stunde, bis die ersten aufgeben und sich Alternativen suchen. Streik ist es diesmal nicht, dafür irgendein Weichenproblem. Die nächsten Stunden geht hier nichts. Rilassati, ist mein Mantra, das mich gerade nervt. 12:00 Uhr mittags, bullenheiß und mit den Bussen hier kenne ich mich nicht aus. An der Haltestelle informiert man mich, das mein Ziel etwas ungünstig liegt. Das merke ich auch und gehe erst mal eine dreiviertel Stunde am Meer entlang. Blöde Idee (Mittag, Sonne, Sommer – in diesem Fall keine gute Kombi). Aber ich bin entspannt. Total. Zwei Stunden später habe ich die richtige App auf dem Handy und bin nach drei Mal umsteigen zu Hause.

Entspannt bin ich wirklich. So entspannt, dass ich mir zum Aperitiv im Garten mit drei guten Freunden das leichteste (ungebügelte, farblich fragliche, eigentlich scheußlich und nur im engsten Kreis getragene) Lieblingskleid überwerfe und mich zehn Minuten später in einer Runde von ca. 12 gutaussehenden Menschen wiederfinde, die alle zu höflich sind um sich laut zu fragen, wer bzw. was da vor ihnen steht. Gut das sie mich nicht kennen, den wenig später hält es der mutigste meiner Freunde für eine gute Idee, mir den Schlauch der Bewässerungsanlage ins Gesicht zu halten. Ich bin jetzt grell, nass und habe verschmierte Wimperntusche. So kann ich mir dann aber auch die Weinflasche schnappen, die zwei Männer nicht aufbekommen und sie problemlos öffen. Ich bin jetzt Hulk im Kleid und ich glaube, ich mache ihnen Angst. Männliche Egos sind empfindlich.

Streik, Zugausfall, peinlicher Auftritt – egal! Mi rilasso. Eventuell ist das gramatikalisch falsch, aber die Stimmung ist es nicht. Genau die richtige um mit den Jungs, von denen zwei der drei, die sechzig schon deutlich überschritten haben eine Bootstour zu machen.
Also nächsten Sommer mache ich einen Bootsführerschein. Nicht weil ich Lust habe, sondern weil ich den Kerlen misstraue. Der erste ist beim Versuch sich die Füße zu waschen noch vor der Abfahrt ins Hafenbecken gefallen, der zweite bei der Ankunft, als er sich etwas zu weit verrenkte um seine Badehose zu holen. Beide nüchtern, beide zum Glück nur leicht angeschrammt. Rilassata schön und gut – aber im Zweifel macht es wohl Sinn das Boot selbst steuern zu können. Notfalls von ihnen weg.

Mi sono rilassato tantissimo. Zurück ging es mit dem Flugzeug. Total rilassata hab ich nicht mal gemerkt, dass der Pilot anstatt zu landen Kreise flog. Auch nicht wirklich, dass wir nachdem wir schon recht weit unten waren, wieder hoch flogen. Mit soviel Entspannung im Nacken merkt man das nicht. Was man dann aber schon merkt ist, der Momen, wenn kurz vor dem Aufsetzten durchgestartet wird. Das fühlt sich interessant an und ist nicht so rillasi. Wenn man dann eine Stunde später in Linz statt in München landet ist es mit dem rilasso ganz vorbei. Kurzzeitig.

Aktuell habe ich muckelige 29 Grad in der Wohnung und mir ist so heiß, dass ich nicht denken kann. Bei solchem Wetter habe ich den Entspannungsmodus auch nördlich der Alpen an. Vielleicht ist er wirklich etwas grenzwertig. Eine Freundin rief vorhin heulend an, weil ihr zwei von drei Küchenschränken von der Wand gekracht sind und so ziemlich jeder Teller, jedes Glas und alle Tassen kaputt sind. Ich sagte ihr, sie soll sich entspannten, den ganzen Scherbenhaufen liegen lassen und auf ein Glas Wein vorbei kommen. Ob ich spinne wollte sie schniefend wissen. Ne, sag ich, rilassati. Die Scherben laufen nicht weg, aber wer weiß ob der morgige Abend so schön ist wie der heutigt.

Sie kommt. Ich stecke an. Also…entspannen Sie sich.

Trud´und anders unerzähltes

Während sich der mütterliche Teil meiner Familie wie die Karnickel vermehrt, endet die väterliche Linie vermutlich mit mir. Und das obwohl die Generation meiner Großeltern beiderseits extrem kinderreich war. Aber während die einen sich fleißig weiter vermehrten, stellte die andere Familie das relativ abrupt ein. Nicht unbedingt, weil sie der Fortpflanzung abgeneigt waren. Den vielen und ausführlichen, meist nicht für Kinderohren geeigneten, Erzählungen meiner Großtante zufolge lag es mit Sicherheit nicht an der Keuschheit. Sie hatten ganz einfach Pech. Offensichtlich nicht ganz, denn ich bin ja hier. Bei mir ist jetzt aber Schluss. Mein Alter betrachtend, können wir uns da ziemlich sicher sein.

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