Genau studiert

Ein langes, abenteuerliches und selbstbestimmt geführtes Leben ging friedlich im Kreise ihrer Lieben zu Ende. Das klingt schön, oder? Vier Kinder und viele Enkelkinder verabschieden in dieser Traueranzeige eine 98jährige. Die vier Kinder schaffe ich nicht mehr, aber wenn die Beschreibung meines Lebens irgendwann einmal in einem solchen Satz zusammen gefasst wird, dann war es wahrscheinlich ein gutes Leben. Solche Anzeigen, schiebe ich gerne über den Tisch und lasse sie den, der mir gegenüber sitzt, lesen. Anzeigen mit einem Geburtsjahr in den 1920igern mögen wir am liebsten. Die 1930iger sind auch noch ok. Da sind die Menschen schön alt geworden. Erst die Anzeigen, die Todesfälle rund um die Mitte der 1940iger Jahre vermelden, lösen an manchen Tagen ein kleines Ziehen aus. Die Menschen darin, sind auch schon um die Achtzig, gleichzeitig haben sie aber das Alter unserer eigenen Eltern und deshab lesen wir die mit einem bestimmten, bei unseren Familien gleichen Geburtsjahr, einfach nicht und ignorieren sie. Das muss man, sonst bereitet das Lesen der Traueranzeigen keine Freude. Und das tut es auf eine seltsame Weise tatsächlich.

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24 Stunden

Wie haben wir das eigentlich früher gemacht? Ich frage mich, wie wir es früher – in unseren Zwanzigern – schafften, das zu machen, was gemacht werden musste und dennoch Zeit für all den Rest fanden. Ein Rest, der mit so viel Aktivitäten gefüllt war, dass mir bei dem Gedanken heute schwindlig wird. 24 Stunden. Damals wie heute. Und doch müssen diese 24 Stunden von früher seltsam aufgebläht gewesen sein. Das Zeit nicht gleichmäßig verrinnt, wissen wir seit Einstein. Aber dieser große Unterschied von 24 Stunden zwischen heute und früher, den kann mir auch kein Physiker erklären. Ich wünschte du wärst hier und ich könnte dich fragen. Solche Dinge zu erklären, war eine deiner Spezialitäten.

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