Vorsätze unerwünscht

Der Mann, der ab und zu mit einer Flasche Wein vor meiner Tür steht, hat mir bereits mehrfach verboten, über ihn zu schreiben. Ich würde mich daran halten, wenn ich an seiner Stelle über einen beliebigen anderen Menschen schreiben könnte. Einen, der ähnlich versessen auf gute Vorsätze ist, wie er. In dieser Hinsicht ist er allerdings einzigartig. Und das, – Sie ahnen es – ist leider kein Kompliment. Heute am 31. Dezember, muss er dafür herhalten, wenn ich über Vorsätze das neue Jahr betreffend schreibe. Ich kenne nämlich leider niemanden sonst, der diese mit einer solchen Energie und Konsequenz gegen die Wand fährt wie er. Und das bereits lange vor dem 1. Januar. Das muss man erst mal schaffen.

Das Exemplar, das bei mir ab und zu mit einer Flasche Wein vor der Tür steht, ist der mit Abstand inkonsequenteste Mensch, den ich kenne. Eigentlich wäre das sein Problem. Da er aber auf eine noch zu klärende Weise zu mir gehört, macht er sein Problem, zu unserem Problem und versaut mir damit regelmäßig den Dezember. Ich gebe Ihnen ein paar Beispiele. Da ich ihn vorhin rausgeschmissen habe (aus der Wohnung nicht aus meinem Leben) kann ich Ihnen das in aller Ruhe erzählen, ohne mir anhören zu müssen, dass ich seine Privatsphäre verletze.

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Marianne

Gestern, als mich einer fragte, was zum Henker ich eigentlich könne, habe ich an Marianne gedacht. Wenn mich jemand ärgerlich und aufgebracht, fragt was ich eigentlich kann, wollte ich lange Zeit nicht antworten. Hätte ich es getan, dann hätte ich zugeben müssen, dass ich recht wenig kann und er oder sie mit dem unterschwelligen Vorwurf Recht hat. Sinnvolle Talente besitze ich nicht. Vor vielen Jahren habe ich das auch Marianne erklärt.

Ich traf sie im Biergarten in der Münchner Innenstadt. Sie arbeitete vom Frühjahr bis zum Herbst auf einer kleinen Alm und kümmerte sich dort um die Tiere. Schön klang es und ich blieb einfach sitzen, als meine Freunde gingen. Wenn einer richtig gut erzählen kann, dann macht das Zuhören Spaß und man will selbst gar nichts sagen, um nicht zu unterbrechen. Letzters tat ich irgendwann doch. Echt, mischte ich mich ins Gespräch, bei dir kann man auch ein paar Tage bleiben? Marianne nickte und sah mich freundlich an. Freilich, bestätigte sie, sofern ich mithelfen würde. Was ich denn könne, erkundigte sie sich und ich strahlte sie an: Nix, aber ich mache alles. Marianne lachte. Das wären nicht die schlechtesten Voraussetzungen. Als alle anderen gegangen waren, blieben wir sitzen und ratschten weiter. Ich sagte Marianne, dass meine Frage nicht ernst gemeint war und ich wirklich nichts kann. Verlegen lächelnd gab ich zu, dass ich von den allermeisten Dingen keine Ahnung habe und deshalb auf einer Alm völlig hilflos wäre.

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