Nix mit Amore

Zur Zeit ist es ruhiger hier. Auf WordPress überhaupt und hier bei mir auch. Auf dem Blog. Bei mir selbst nicht.

Mein Kopf rattert, mein Herz flattert und mein Magen grummelt, weil er ständig am kritisieren ist. Rattert und flattert, ernsthaft? So wie diesen Satz, stellt er fast jede der weit über hundert Seiten, die ich in den letzten Monaten geschrieben habe, in Frage.

An guten Tagen sind wir uns einig. Da schnalzen wir mit der Zunge und sagen uns, dass das, was endlich ausgedruckt auf Schreib-, Küchen- und Balkontisch liegt, etwas ganz famoses ist. An schlechten Tagen überlegt der Magen ob den Mist überhaupt jemand lesen will, das Herz sagt ja ist aber sofort beleidigt und der Kopf erinnert mich daran, dass ich nicht für mein Herz sondern für potentielle Leser schreibe. Verbündet sich mit den Magen und das Herz sagt gar nichts mehr und schweigt gekränkt. Dann streiten sich die drei und ich schenk mir ein Glas Wein ein. Weinschorle. Mehr Schorle als Wein, weil ich weiß, dass ich die Finger ja doch nicht vom Manuskript lassen kann.

Genauso wenig wie von den alten Tagenbüchern, den Mails und den Briefen aus meiner Italienzeit. Ich dachte es wäre einfacher, sich dann zu erinnern. War es. Es führte aber auch dazu, dass ich wochenlang mit Kopf, Herz und Magen in meiner alten Heimat hing und mein Umfeld in den Wahnsinn getrieben habe. Ab und zu kann man in seine eigene Vergangenheit eintauchen, nur zu lange darin zu verweilen, das tut selten gut. Dann hängt man zwischen zwei Leben fest und verliert sich ein bisschen.

Seit Monaten widerstehe ich dem Wunsch, jedes einzelne Kapitel hier hochzuladen. Die Versuchung anhand der Kommentare und der feinen Zwischentöne Ihrer Worte herauszufinden was gut, was ok oder was zu vernachlässigen ist, ist groß. Ich war tapfer. Fast. Letzte Woche nicht, aber das musste raus. Und jetzt kann es nicht mehr rein. Ins Buch. Dafür anderes.

Was denn genau, fragen die Freunde und ich will – obwohl ich es bin, die sie seit Weihnachten damit nervt – dann doch nicht über Italien und mein kleines Herzensprojekt sprechen. Ich wiegle ab. Italien halt. Das Auswandern, die lustigen Anekdoten, die traurigen und einsamen Moment und das große Glücksgefühl. Alles halt. Aber nix mit Amore! Das sag ich immer dazu. Das ist wichtig, damit man es gleich weiß.

Nix mit Amore.
Ich habe fertig.

34 Gedanken zu “Nix mit Amore

  1. Liebe Mitzi,
    da ich ja weit davon entfernt bin, die Gefühlswelt einer Frau detailliert nachvollziehen zu können, kann ich sehr wenig zu der Diskussion beitragen, die Sie mit Kopt, Herz und Magen führen.
    Meine liebe Frau sagt, ihr gehe es am besten damit, wenn sie ihren Bauch entscheiden lässt. Vermutlich ist Bauch nicht = Magen und kann deshalb umfassendere und mehr zufriedenstennde Entscheidungen treffen.
    Aber soweit ich das überhaupt beurteilen kann, haben Sie wieder einmal alles richtig gemacht!
    BRAVISSIMO!
    Gruß Heinrich

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  2. Hmmmm …… also an einem Tag sind die Texte schlecht und an anderen gut …… verstehe, tja, so geht´s wahrscheinlich allen mit den eigenen Sachen, aber für die Leser ist die Situation konstanter. Ich zum Beispiel habe hier noch keinen schlechten Text gelesen, nicht einmal einen schwachen und da werden die italienischen Tagebücher keine Ausnahme machen

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  3. „Flasche leer?“ – „Glas halbvoll“. Und hundert beschriebene Seiten! Respekt. Bei einer sommerlichen Schorle lässt sich das voranschreitende Werk genießen, womöglich die libidinöse Verwicklung erkennen und aufklären sowie Amore wieder empfangen.
    Teilnahmsvolle Grüße

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    1. Vielen lieben Dank.
      Im Falle meiner Italienzeit durfte Amore ruhig auf der Strecke bleiben. Ich hatte dort so vieles, dass ein paar Jahre ohne festen Freund kein Verlust waren. Zumal man amore, wenn man es weiter fasst, dann doch gegeben war. Freundschaft und das Glück am richtigen Ort zu sein, ist auch etwas sehr wertvolles.

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    1. Das kann ich dir nachfühlen. Ich hab mich so sehr an den Blog und die schöne Kommunikation hier gewöhnt, dass ich es nicht mehr missen möchte.
      Für alle anderen Texte kann man sich (was durchaus Sinn macht) zum Glück auch immer das Feedback von Freunden und Kollegen holen.

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  4. Gehe diesen Weg, denn er wird richtig sein. Und geniesse die Ungewissheit, denn sie gehört dazu. Ungewissheit und Unsicherheit sind die Brüder, die Dir den Weg zeigen, der durch unentdecktes Land führt und Dir Ziele zeigen, die Erfahrungen sind und Sicherheiten bringen. Ich freue mich auf das Buch!

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  5. Alle Autoren zweifeln, wenn ein Werk fertig ist. Der, der das nicht tut, hätte wahrscheinlich guten Grund dazu. Was Dich betrifft, bin ich sehr zuversichtlich – das kann gar nicht schlecht sein. Ich freu mich darauf.

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  6. zu allererst einmal: herzlichen Glückwunsch, dass du es geschafft hast!
    „Dann hängt man zwischen zwei Leben fest und verliert sich ein bisschen.“ – dieses problem hatte ich sehr lange und es ist so schön und so schmerzhaft zugleich. manchmal tut das gut, langfristig hilft es, aber am ende muss man das zwischenspiel abschließen. dein timing ist gut, grade der sommer eignet sich wunderbar, um wieder neue erfahrungen zu machen und das alte wieder ein bisschen blasser sein zu lassen und weiter in der erinnerung nach hinten zu schicken, nicht ganz so nah zwischen magen und herz, sondern eher irgendwo bei den nieren 😉

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    1. Danke dir.
      Es ist ein komisches Gefühl. Eigentlich war es nie präsent. Erst als ich mit dem Buch begonnen haben, kam es. Kein Wunder, man beschäftigt sich dann ganz anders und viel intensiver mit der Vergangenheit.
      Hast du auch im Ausland gelebt?
      Der Sommer ist wirklich ein schöner Zeitpunkt, mit den letzten kleinen Resten, die unverdaut geblieben sind, aufzuräumen. Bei mir war es der Abschied. Mit allem anderen hatte ich mich versöhnt und bereue nichts. Jetzt ist auch der verdaut 🙂

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      1. ja, das glaube ich. um zu schreiben geht man halt einfach anders in die emotion rein und dadurch entdeckt man vieles, das man vielleicht einfach mal zur kenntnis genommen und ein wenig beiseite geschoben hat. irgendwann ist es aber denke ich doch gut, da einmal mitten durch zu gehen.

        abschiede sind schon eigene dinge. wie wanda singen „auseinandergeh’n ist schwer“.

        nein, ich hab leider nie im ausland gelebt. als ich die chance gehabt hätte, war ich zu feige und jetzt, jetzt bin ich es wahrscheinlich auch – wenn auch aus anderen gründen.

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      2. Ich wäre auch viel zu feige gewesen ;). Ich glaube es braucht bei Menschen die eher überlegt und ängstlich sind einen ganz bestimmten Impuls der sie dann doch veranlasst zu springen. Liebe und Freundschaft sind zwei die das Springen leicht erscheinen lässt.
        Man muss aber gar nicht in ein anderes Land gehen. Ich glaube mittlerweile, dass es so viele Abschiede gibt die nichts mit Landesgrenzen zu tun haben, dass man das Gefühl mit den Jahren sehr gut kennt.
        Wanda…ich glaub ich möchte jetzt Bologna hören :)))

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      3. dem stimme ich absolut zu – so einem impuls würde ich auch jetzt sofort folgen.
        bologna habe ich das wochenende über recht oft gehört – auch wenn mir nicht so ganz klar ist, was sie mir damit erklären, ist der sound einfach herrlich sommerlich.

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  7. Ach Mitzi, du hast doch so unendlich viele Fans in männlicher und weiblicher Ausführung (im Moment bin ich wegen meiner Stimme unter den männlichen eingeordnet), dass das Buch gar kein Misserfolg werden kann.
    Ich spucke dir jetzt über die linke Schulter, das bringt 99,9 % Glück – und wir wollen ja nicht übertreiben!
    Lieben Gruß von mir

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  8. Glückwunsch, liebe MItzi, eine tolle Leistung neben Job und Bloggen! Gegen die wankelmütige Einschätzung eines frischen Textes durch den Autor empfiehlt Horaz „nonumque prematur in annum“ und bis ins neunte Jahr werde es [das Manuskript] zurückgehalten). Dieser zeitliche Abstand erlaube dem Autor eine nüchterne Betrachtung seines Werks. Das ist natürlich kein Rat für unsere schnellebige Zeit. Hilffreich ist alles, was einen Text verfremdet, eine andere Schrifttype, ein anderes Medium …
    Ich wünsche dir und deinem Manuskript viel Erfolg!

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    1. Es wäre wirklich das Beste, lieber Jules, sich den Rat Horaz zu Herzen zu nehmen. Leider spielt meine Ungeduld nicht mit.
      Sollte ich je einen Roman schreiben, dann zwinge ich mich, ihn für einige Monate ruhen und reifen zu lassen.
      Danke für den Tipp mit der Verfremdung. Das werde ich einmal probieren.
      Liebe Grüße

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